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Samstag, 27. September 2014

Morgens in Rom

Es ist 20 Mi­nu­ten vor Mess­be­ginn, ich er­gat­ter noch einen Sitz­platz in der letz­ten Rei­he. Bis die Mes­se be­ginnt ha­ben sich auch al­le Steh­plä­tze ge­fül­lt. Die Men­schen ste­hen Mann an Mann. Es ist nur ein Ge­rücht: Heu­te mor­gen soll hier der Papst die Mes­se fei­ern. Of­fi­zi­ell ist da­von nir­gends et­was zu hö­ren.
Ei­ne Glo­cke schlägt an. Es öff­net sich ei­ne Tür an der Sei­te und tat­säch­lich kommt der Papst dort her­aus. Er geht zu ei­nem Stuhl im Chor­raum und setzt sich. Hin­ter ihm zieht ei­ne Ein­zugs­pro­zes­si­on fei­er­lich in die Kir­che ein. Je zwei Mi­nis­tran­ten mit Weih­rauch und Ker­zen, so­wie vier wei­te­re. Dann fol­gen – oh Schreck – zwei Frau­en in weißen Al­ben mit ei­nem bun­ten Schul­ter­tuch.
Der Papst er­öff­net die Mes­se mit dem Kreuz­zei­chen und spricht auch al­le Ge­be­te. Der Le­sungs- und Evan­ge­li­en­text wird je­weils von ei­ner der Da­men ge­le­sen. In sei­ner kur­z­en Pre­digt spricht er über das Mit­ein­an­der von Ge­weih­ten und Un­ge­weih­ten, von Män­nern und Frau­en. Er spricht von drei Schrit­ten, Al­le sol­len sich ge­gen­sei­tig ei­ne Hil­fe sein. Al­le sol­le für Al­le da sein bis an die Rän­der der Ge­mein­de sol­len al­le Brü­der und Schwes­tern sein, die sich in ge­schwis­ter­li­cher Lie­be hel­fen. Es sol­le kei­ne Un­ter­schie­de mehr ge­ben. Al­le sol­len eins sein.
Zur Ga­ben­be­rei­tung ste­hen nur die bei­den Frau­en am Al­tar. Der Papst liest die Ge­be­te, das Hoch­ge­bet, die Ein­set­zungs­wor­te. Die Ges­ten, Ge­bär­den und Ze­re­mo­ni­en voll­zie­hen stumm die bei­den Da­men wie ei­ne skur­ri­le Pan­to­mi­me. Ich kann mich nicht mehr be­we­gen, bin stock­steif vor Er­schre­cken.
Zu Kom­mu­nio­naus­tei­lung ei­len zwei Pries­ter den Frau­en zur Hil­fe. Ich sit­ze da und schaue wie in Tran­ce auf das Trei­ben in der Kir­che. – Schlußsse­gen, ge­spro­chen vom Papst mit Ges­ten der Frau­en und Aus­zug. Ich bin schweißge­ba­det, will raus. Ei­ne Glo­cke er­tönt, sie klingt laut in mei­nen Oh­ren. Ich will nur noch raus. Schla­ge um mich. Es schrillt mir in den Oh­ren wie ein Alarm­zei­chen.
Ich schla­ge wei­ter um mich und er­wi­sche den Aus­schal­ter des Weckers. 6:55 Uhr. Zeit auf­zu­ste­hen. Ra­dio ein­schal­ten: „Hier ist die Mor­ge­n­an­dacht, heu­te mit…“