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Dienstag, 27. August 2013

Hl. Monnica, Augustins Mutter

Heute, am 27. August, gedenkt die Kirche der Hl. Monnica, der Mutter des Augustinus, dessen morgen gedacht wird. Als Augustinus 33 Jahre alt war, starb seine Mutter im Alter von 56 Jahren (vgl. Conf. 9,11). Kurze Zeit vorher hatte er mit seiner Mutter in Ostia am Fenster gestanden und gesprochen. Er berichtet davon in seinen »Bekenntnisen«.
»Als aber der Tag nahte, an dem sie aus diesem Leben scheiden sollte - du kanntest diesen Tag, wir nicht -, da geschah es, wie ich glaube durch deine geheime Fügung, daß ich und sie an ein Fenster gelehnt standen, das eine Aussicht auf den Garten innerhalb des Hauses, das wir bewohnten, bot; dort in Ostia war es an der Tiber, wo wir fern vom Geräusche der Welt nach den Anstrengungen einer so langen Reise Kräfte für die Seefahrt sammelten. Wir unterhielten uns also allein in gar süßem Gespräche; "der Vergangenheit vergessend, streckten wir uns aus nach dem, was vor uns lag." In deiner Gegenwart, der du die Wahrheit bist, fragten wir uns, wie wohl das ewige Leben der Heiligen sein würde, das "kein Auge gesehen, kein Ohr gehört hat und das in keines Menschen Herz gekommen ist." Aber wir lechzten mit dem Munde unseres Geistes nach den himmlischen Wassern deines Quells, des "Lebensquells, der bei dir ist", um, von ihm nach unserm Fassungsvermögen geletzt, einen solch erhabenen Stoff allseitig betrachten zu können.

Als nun unsere Unterredung zu dem Resultate gelangt war, daß auch die höchste Lust, die uns durch die Sinne vermittelt wird und bei allem Glanze immer doch nur körperlich bleibt, neben der Lieblichkeit jenes Lebens keine Erwähnung, geschweige denn einen Vergleich verdient, da erhoben wir uns mit noch heißerer Sehnsucht zu "dem, was das Selbst" ist, und durchgingen die ganze Stufenleiter der ganzen Körperwelt und des Himmels, von dem Sonne, Mond und Sterne über die Erde herableuchten. Und immer weiter stiegen wir auf, in innerlicher Weise deine Werke bedenkend, bewundernd und besprechend, und so kamen wir schließlich zu unserm Geiste. Auch über ihn schritten wir hinaus, um in die Gegend unerschöpflicher Fruchtbarkeit zu gelangen, wo du ewig Israel weidest auf der Weide der Wahrheit, wo Leben gleich Wahrheit ist; durch sie besteht alles, das Vergangene und das Zukünftige, sie selbst aber wird nicht, sondern bleibt, wie sie war, und wird immer so bleiben. Oder richtiger: in ihr gibt es keine Vergangenheit und keine Zukunft, sondern nur Sein, weil sie ewig ist; denn Vergehen und Werden sind nicht ewig. Und während wir von ihr redeten und nach ihr verlangten, berührten wir sie leise in einem Augenblicke höchster Herzenserhebung; dann seufzten wir auf und ließen dort "die Erstlinge unseres Geistes" gefesselt zurück und kehrten wieder zur Erde zurück, zu Worten, die Anfang und Ende haben. Was aber gleicht deinem Worte, das uns gebietet und ohne zu altern in sich bleibt und alles erneut?

Wir sprachen also: Es schweige in einem Menschen der Sturm des Fleisches, es schweige jede Vorstellung von Land, Wasser und Luft, es schweige das Himmelsgewölbe, ja selbst die Seele in sich und, ihrer selbst vergessend, erhebe sie sich über sich, es schweige die Zunge und jegliches Zeichen, und alles, was entsteht und vorübergeht, schweige völlig; denn einem scharfhörigen Zuschauer würden all diese Dinge sagen: "Nicht wir haben uns selbst geschaffen, sondern der hat uns geschaffen, der da bleibt in Ewigkeit". Wenn sie also nach diesen Dingen verstummten, da sie ihr Ohr auf ihren Schöpfer gerichtet haben, und wenn nunmehr er allein spräche nicht durch sie, sondern durch sich selbst, so daß wir sein Wort nicht aus eines Menschen Zunge noch durch eines Engels Stimme noch im Donner der Wolke noch durch Rätsel und Gleichnis vernahmen, sondern ihn selbst, den wir in diesen Dingen lieben, ihn selbst vernähmen, gleichwie wir uns jetzt erhoben und in reißendem Gedankenfluge die ewige, unvergängliche Weisheit berührten; wenn endlich dieser Zustand anhielte und alle anderen Vorstellungen weit niederer Art verschwänden und nur diese eine den Schauenden hinrisse und in sich aufnähme und in innerlicher Wonne bärge, kurz daß dies ein Gleichnis des ewigen Lebens wäre wie jener Augenblick höchster Erkenntnis, nach dem wir geseufzt - wäre dies nicht der Zeitpunkt, von dem geschrieben steht: "Geh ein in die Freude deines Herrn"? Und wann wird dies sein? Etwa dann, wenn "wir alle auferstehen, aber nicht alle werden verwandelt werden?"

So sprach ich, und wenn auch nicht genau auf diese Weise und mit diesen Worten, so weißt du doch, o Herr, daß an jenem Tage, als unter solchen Gesprächen die Welt da vor uns mit all ihren Freuden jeden Reiz verlor, die Mutter sagte: "Mein Sohn, ich für meine Person werde an nichts mehr Freude empfinden. Was ich nun hier noch tun soll und warum ich hier bin, weiß ich nicht, da ich von dieser Zeitlichkeit nichts mehr erhoffe. Nur um dich vor meinem Tode als katholischen Christen zu sehen, wollte ich einzig und allein noch eine Zeitlang am Leben bleiben. Über mein Hoffen hinaus bat Gott mir meine Bitte erfüllt, da ich dich jetzt als seinen Knecht erblicke, der aller irdischen Glückseligkeit entsagt hat. Was tue ich nun noch hier?"«
(Confessiones 9,10
Übers. A. Hofmann.
BKV, 1. Reihe, Band 18)

Freitag, 12. April 2013

Warum gibt es Frauen? – Teil 3

Eine interessante Frage, die sich sicher schon so manchen mal gestellt hat.
Der Hl. Augustinus weiß einige Antworten. Hier ein Text aus der umstrittenen Schrift „De Genesi ad litteram 11,42,58-59“
»Wenn Adam bereits geistig war, wenn auch nur im Verstand, nicht leiblich, wie hätte er den Worten der Schlange glauben können, daß Gott ihnen deshalb den Genuß jener Baumfrucht verboten hat, weil er gewußt hat, daß sie, wenn sie davon aßen, künftig wie die Götter sein würden, da sie die Erkenntnis von Gut und Böse empfingen? Das würde doch bedeuten, daß der Schöpfer dieses große Gut seinem Geschöpf mißgönnt habe. Es wäre doch verwunderlich, wenn ein Mensch, mit vergeistigtem Verstand begabt, so etwas hätte glauben können. Soll man vielleicht sagen: weil der Mann das nicht glauben konnte, ist deshalb die Frau dazu ausersehen worden, da sie weniger Verstand hatte und vielleicht eher nach fleischlichem Sinn als nach geistigem Verstand lebte; was auch der Grund sei, weshalb ihr der Apostel (Paulus) das Bild Gottes nicht zuweist? Sagt er doch: „Der Mann braucht frelich nicht sein Haupt zu verschleiern, da er Bild und Abglanz Gottes ist; die Frau aber ist des Mannes Abglanz“. Damit ist nicht gesagt, daß der Verstand des Weibes nicht dasselbe Bild erfassen könne, da es in jener Gnade, wie uns der Apostel sagt, weder Männliches noch Weibliches gibt, sondern der Sinn ist vielleicht der, daß die Frau, sobald sie Gott erkennt, noch nicht erfaßt, was sich ereignet, und es erst nach und nach unter der Führung und Ordnung des Mannes erfassen soll. Es ist nicht ohne Grund, wenn der Apostel sagt: „Denn zuerst wurde Adam erschaffen, danach Eva. Auch ließ nicht Adam sich überlisten, sondern die verführte Frau wurde zur Plichtverletzerin“, das heißt, daß erst durch sie auch der Mann das Gebot übertrat. Denn auch ihn nennt der Apostel einen Pflichtverletzer, wenn er sagt: „ ... in Ähnlichkeit mit der Pflichtverletzung des Adam, der das Vorbild des zukünftigen Adam ist“. Aber er verneint, daß Adam überlistet wurde. Adam erwidert auch nicht, als er befragt wird: Die Frau, die du mir begegeben, hat mich verführt, und ich aß, sondern: „Sie hat mir von dem Baum gegeben, und ich aß“, während sie sagt: „Die Schlange hat mich verführt“.«

Soll man etwa glauben, daß ein Mann von solcher Weisheit wie Salomon in der Tat von irgendeinem Nutzen des Götzenkultes überzeugt war? Aber er vermochte nicht der Liebe zu den Weibern zu widerstehen, die ihn zu diesem Greuel zog. Und so tat er etwas, von dem er wußte, daß es nicht getan werden durfte; tat es, um sich nicht seine todbringenden Genüsse zu verdüstern, in denen er sich verzehrte und versank. Genauso war es mit Adam auch. Nachdem er sah, wie die überlistete Frau vom verbotenen Baum gegessen hatte und sie ihm hiervon gab, damit sie zusammen äßen, da wollte er sie nicht betrüben. Er glaubte wohl, sie könnte ohne seinen Trost dahinschwinden, sie müßte, getrennt von seiner Geistseele, ganz und gar in einer solchen Zwietracht untergehen. Er war durchaus nicht von einer fleischlichen Begehrlichkeit besiegt, denn er empfand noch nicht den Widerstand des Gesetzes der Glieder gegen das Gesetz seines Verstandes, sondern er tat es aus einem gewissen freundschaftlichen Wohlwollen heraus; einem Wohlwollen, das nur zu oft dazu führt, daß Gott beleidigt wird aus Angst, aus einem Freund könne ein Feind werden. Erst der gerechte Ausgang des göttliches Machtspruches am Ende hat ihm gezeigt, was er nicht hätte tun sollen.

Mittwoch, 10. April 2013

Warum gibt es Frauen? – Teil 2

Eine umstrittene Frage, die sich sicher schon so manchen mal gestellt hat.
Der Hl. Augustinus weiß einige Antworten. Hier ein Text aus „De Genesi ad litteram 11,37,50“
»„Und zur Frau (Eva) sprach er (Gott): Vervielfältigen will ich deine Betrübnis und dein Seufzen vermehren. In Betrübnis sollst du Kinder gebären, und immer wieder wird es dich zu deinem Manne ziehen, und er wird über dich herrschen“. Auch diese an die Frau gerichteten Worte Gottes bieten dem Verständnis viel weniger Schwierigkeiten, wenn man sie in einem figürlichen und prophetischen Sinn versteht. Dennoch aber bezieht sich diese Strafe auch auf die Eigentlichkeit des Buchstabens, da das Weib ja noch nicht geboren hatte und Schmerz und Seufzen der Gebärerin nur aus jenem Leib des Todes dringen konnten, den sie erst durch die Übertretung des Gebotes empfangen hatte ... Wie in diesem Falle allerdings der Satz: „Und immer wieder wird es dich zu deinem Manne ziehen, und er wird über dich herrschen“, wörtlich aufzufassen wäre, müßte erst überlegt werden. Denn man kann ja kaum glauben, die Frau sei vor der Sünde anders erschaffen gewesen, so daß der Mann nicht über sie bestimmt und sie selbst sich nicht zu ihm hingezogen gefühlt hätte, um ihm zu dienen. Mit der erwähnten Herrschaft kann man also mit Recht diejenige bezeichnet sehen, die sich weniger aus einem Liebesverhältnis als vielmehr aus einer gewissen Verfassung (der Sündenverfallenheit) ergibt, so wie ja auch diejenige eigentliche Knechtschaft, innerhalb derer später Menschen für andere Menschen zu Sklaven wurden, ihren Ausgang offensichtlich von der Sündenstrafe genommen hat. Der Apostel (Paulus) sagt zwar: „Dienet einer dem andern durch Liebe“, aber niemals würde er sagen: Beherrschet einer den andern. Gewiß können sich Gatten untereinander durch Liebe dienen, aber der Frau erlaubt der Apostel nicht, über den Mann zu herrschen. Das Herrschen hat aber erst der Urteilsspruch Gottes dem Mann allein auferlegt, und den Ehemann zum Herrn zu haben, liegt ursprünglich nicht in der Natur der Frau, sondern sie hat es sich durch ihre Schuld verdient. Wird diese Ordnung trotzdem nicht beobachtet, wird die Natur nur um so mehr verdorben und die Schuld vermehrt.«

Montag, 8. April 2013

Warum gibt es Frauen? – Teil 1

Eine interessante Frage, die sich sicher schon so manchen mal gestellt hat.
Der umstrittene Kirchenvater Augustinus weiß einige Antworten. Hier ein Text aus „De Genesi ad litteram 9,5,9“
»Wenn die Frau dem Manne nicht zur Hilfeleistung, um Kinder hervorzubringen, gemacht worden ist, zu welcher Hilfe ist sie dann gemacht worden? Sollte sie zugleich mit ihm den Boden bestellen - was damals noch keine mühevolle Arbeit war, die eines Beistandes bedurfte -, dann wäre, selbst wenn es nötig gewesen wäre, eine männliche Hilfskraft besser gewesen. Das gleiche gilt auch, wenn man von ihr als Trostgeberin sprechen würde, in der Annahme, daß Adam seiner Einsamkeit überdrüssig geworden wäre. Ist es denn für ein Zusammenleben und Miteinandersprechen nicht zuträglicher, wenn zwei Freunde zusammenwohnen, als ein Mann und ein Weib? Wenn es nun bei einem solchen Zusammenleben nötig war, daß der eine befahl, der andre gehorchte, damit nicht entgegengesetzte Willen den Frieden der vereint Wohnenden störten, so hätte zur Aufrechterhaltung dessen sicher nicht die Ordnung gefehlt, die dem früher Erschaffenen das Befehlen, dem Späteren das Gehorchen zuteilte, zumal wenn der Spätere aus dem Früheren erschaffen worden ist, wie das bei der Frau der Fall war. Oder wollte einer sagen, es wäre für Gott nicht möglich gewesen, wenn er es gewollt hätte, aus der Rippe des Menschen nicht bloß ein Weib, sondern auch einen Mann zu machen? Ich finde also keine andre Hilfeleistung, für die dem Mann ein Weib erschaffen wurde, wenn nicht die, ihm Kinder zu gebären.«

Der Schafstall Christi

»Hoc tenet, ovile Christi esse catholicam ecclesiam.«
»Dies halte fest, daß der Schafstall Christi die katholische Kirche ist.«
(Augustinus: io. eu. tr., 45,5)

Sonntag, 31. März 2013

Osterpredigt des Hl. Augustinus

Vom Hl. Augustinus stammt folgende Osterpredigt (s. 227) über die Hl. Eucharistie, die sich an die in der Osternacht neu getauften richtet und am Ostermorgen gehalten wurde:
»Ich will mein gegebenes Wort einlösen. Hatte ich doch euch, die ihr (in der vergangenen Nacht) getauft worden seid, versprochen, eine Predigt zu halten, in der ich (euch) das Sakrament des Tisches des Herrn, das ihr nunmehr auch seht, und dessen ihr in der vergangenen Nacht teilhaftig geworden seid, erkläre. Ihr sollt wissen, was ihr empfangen habt, was ihr empfangen werdet und was ihr täglich empfangen müßt.

Jenes Brot, das ihr auf dem Altar seht - es wurde geheiligt durch das Wort Gottes -, ist der Leib Christi. Jener Kelch, besser gesagt, was der Kelch enthält - (ebenfalls) geheiligt durch das Wort Gottes -, ist das Blut Christi. Durch beides wollte Christus, der Herr, uns seinen Leib und sein Blut, das er für uns zur Vergebung der Sünden vergossen hat, anvertrauen. Wenn ihr sie in rechter Weise empfangen habt, seid ihr es, was ihr empfangen habt. Sagt doch der Apostel: Ein Brot, ein Leib, sind wir die Vielen (1 Kor 10,17). So (nämlich) legte er das Sakrament des Tisches des Herrn aus: Ein Brot, ein Leib, sind wir die Vielen.

In diesem Brot wird euch anempfohlen, in welcher Weise ihr die Einheit lieben müßt. Wurde denn jenes Brot aus einem einzigen Korn gemacht? Waren es nicht viele Weizenkörner? Bevor sie jedoch zu Brot wurden, waren sie getrennt; durch das Wasser wurden sie, und zwar nach einer gewissen Zerreibung, verbunden. Wird nämlich der Weizen nicht gemahlen und durch das Wasser benetzt, so bekommt er auf keinen Fall jene Form, die Brot genannt wird.

So wurdet auch ihr zuvor durch die Erniedrigung des Fastens sowie durch das Sakrament des Exorzismus gleichsam gemahlen. Hinzu kam die Taufe und das Wasser; ihr wurdet gleichsam benetzt, um die Form des Brotes annehmen zu können. Aber ohne Feuer gibt es kein Brot. Was also bezeichnet das Feuer, das für das Chrisma des Öls steht? Feuer hat die Funktion des Nährens, als solches verweist es auf den Hl. Geist. Achtet auf die Apostelgeschichte, wenn sie vorgelesen wird. Gleich wird mit der Verlesung dieses Buches begonnen werden, denn heute begann die Lektüre dieses Apostelgeschichte genannten Buches (in der Liturgie). Wer (spirituelle) Fortschritte machen will, wird sie von dort her machen können. Wann ihr in der Kirche zusammenkommt, dann vergeßt die nichtssagenden Fabeleien: konzentriert euch auf die (heiligen) Schriften. Eure Bücher sind wir.

Achtet somit darauf und seht, wie der Hl. Geist Pfingsten kommen wird. So wird er kommen: in feurigen Zungen zeigt er sich. Er entfacht in uns die Caritas, in der wir auf Gott hin erglühen und die Welt verachten sollen. Zugleich soll, was Stroh an uns ist, verbrennen und unser Herz wie Gold geläutert werden. Es tritt also nach dem Wasser der Hl. Geist als Feuer hinzu, und ihr werdet Brot, das der Leib Christi ist. Auf diese Weise wird (darin) in gewisser Hinsicht die Einheit zeichenhaft dargestellt.

Ihr kennt den geordneten Verlauf der sakramentalen Feier. Als erstes werdet ihr nach dem Gebet (welches den Wortgottesdienst abschließt) ermahnt, das Herz in die Höhe zu richten. Dies ziemt sich für die Glieder Christi. Wenn ihr nämlich Christi Glieder geworden seid, wo befindet sich dann euer Haupt? Glieder haben ein Haupt. Wäre das Haupt nicht vorangegangen, könnten die Glieder (ihm) nicht folgen. Wohin ging unser Haupt? Welche Antwort habt ihr beim Aufsagen des Credo gegeben? Am dritten Tag erstand er von den Toten, er fuhr in den Himmel, er sitzt zur Rechten des Vaters. Also befindet sich unser Haupt im Himmel. Deshalb antwortet ihr auf das Hoch das Herz!: Wir haben es beim Herrn. Damit ihr aber dieses Herz bei Gott haben nicht euren eigenen Kräften, eurem Verdienst und euren Mühen zuschreibt, denn das Herz bei Gott zu haben ist Gottes Geschenk, deshalb fährt der Bischof, bzw. der Priester, der das Opfer darbringt, fort; indem er auf die Antwort des Volkes, Wir haben es bei Gott, sagt: Laßt uns danken dem Herrn, unserem Gott, weil wir das Herz oben haben. Laßt uns Gott danken, denn wenn er dies uns nicht gewährte, hätten wir das Herz auf der Erde. Dies bestätigt auch ihr, indem ihr antwortet: Würdig ist es und recht, dem Dank abzustatten, der dies bewirkt, daß wir das Herz bei unserem Haupt haben.

Darauf, nach der Heiligung der Gott geweihten Opfergabe, denn uns selbst wollte er zu seiner Opfergabe haben, was (bereits) gezeigt wurde, wo jene vorzügliche Gott geweihte Opfergabe (auf den Altar) gelegt wurde samt uns selbst - das heißt das Zeichen einer Sache, die wir selber sind.

Siehe, sobald die Heiligung vollzogen ist, sprechen wir das Herrengebet, das (zu lernen) ihr empfangen und (gelernt) wiedergegeben habt. Nach dem Herrengebet heißt es: Der Friede sei mit Euch: und es küssen sich die Christen mit heiligem Kuß. (Der Kuß) ist das Zeichen des Friedens: Was die Lippen andeuten, möge sich im Bewußtsein vollziehen. Das heißt, wie deine Lippen sich zu den Lippen deines Bruders hin bewegen, so möge dein Herz sich von seinem Herzen nicht zurückziehen.

Groß sind also diese Sakramente, sehr groß. Wollt ihr wissen, wie sie uns zum Empfang empfohlen werden? Der Apostel sagt: (1 Kor 11,27): Wer unwürdig den Leib Christi ißt oder den Kelch des Herrn trinkt, vergeht sich am Leib und Blut des Herrn. Was heißt das, unwürdig empfangen? Mit Verachtung empfangen, mit Hohn empfangen. Es erscheine dir nicht für gering, (nur) weil du es siehst. Das, was du siehst, vergeht, aber das, was es bezeichnet, das Unsichtbare, das vergeht nicht, es bleibt bestehen.

Siehe, es wird empfangen, es wird verzehrt, es wird verspeist: Wird etwa der Leib Christi verspeist? Wird etwa die Kirche Christi verspeist? Werden etwa die Glieder Christi verspeist? Auf keinen Fall! Hier werden sie geläutert: dort gekrönt. Es wird also bleiben, was bezeichnet wird, wenngleich das, was bezeichnet, vorüberzugehen scheint.

Empfangt es also so, daß ihr es auf euch selbst bezieht, daß ihr die Einheit im Herz habt, das Herz stets nach oben heftet. Eure Hoffnung richte sich nicht auf das Irdische, sondern auf das Himmlische, euer Glaube an Gott sei fest, er sei Gott wohlgefällig. Denn was ihr hier (auf Erden) noch nicht seht, doch glaubt, das werdet ihr dort sehen, wo ihr euch ohne Ende freuen werdet.«
Nähere Erläuterungen zu dem Text findet man im Internet auf den Seiten der Zentrums für Augustinusforschung in Würzburg.

Freitag, 29. März 2013

Karfreitagspredigt des Hl. Augustinus

Wahrscheinlich im Jahre 397 hielt Augustinus folgende Karfreitagspredigt (s. 218B):
»Feierlich begehen wir heute das große und unaussprechliche Geheimnis des Herrenleidens: Freilich, auch an anderen Tagen ist dieses Geheimnis nie abwesend, weder vom Altar, an dem wir den Dienst versehen, noch von unseren Lippen und unserer Stirn, so dass wir das, woran die Sinne unseres Leibes uns erinnern, stets auch im Herzen bewahren.

Jedoch diese alljährlich wiederkehrende Feier hält die Erinnerung an ein so überwältigendes Ereignis noch heller wach, denn das durch die Gottlosigkeit der Juden vor vielen Jahren an einem Ort verübte Vergehen, das sich vor ihren grausamen Augen abspielte, das soll nunmehr durch die Sicht des Glaubens auf dem ganzen Erdkreis so betrachtet werden, als ob es sich heute ereignete.

Wenn jene ihr grausames Werk bereitwillig in Augenschein nahmen, um wie viel mehr sollten da nicht wir, was wir fromm glauben, durch die Erinnerung in unserem Geiste vergegenwärtigen?

Wenn jene mit Vergnügen ihre Bosheit wahrnahmen, sollten da wir nicht umso mehr in Freude unseres Heiles gedenken? Jene einmalige Tat wurde (sozusagen) zum Markenzeichen (aller) ihrer Verbrechen, zugleich aber wurden (dadurch) unsere künftigen getilgt.

Schließlich, wo wir die Missetaten jener verabscheuen, dort erfreuen wir uns der uns vergebenen.

(Waren) jene Majestätsverbrecher, so (sind) wir Feiernde des Hochfestes; versammelten sich jene in ihrer Wut, so wir in unserem Gehorsam; waren jene Verlorene, so sind wir Wiedergefundene; wurden jene (in die Knechtschaft der Sünde) verkauft, so wurden wir (aus dieser Knechtschaft) freigekauft; waren jene gaffende Spötter, so sind wir anbetende Verehrer.

Deshalb ist der gekreuzigte Christus den Ungläubigen „Skandal und Torheit“, uns aber „Gottes Kraft und Gottes Weisheit“; dies nämlich ist jene „Schwäche Gottes, die stärker ist als die Menschen“, und jenes „Törichte Gottes, das weiser ist als die Menschen“ (vgl. 1 Cor 1,23-25).

Die Ereignisse, die (auf den Karfreitag) folgten, legten davon glänzendes Zeugnis ab. Denn wonach gierte damals die Wut der Feinde (Christi), wenn nicht danach, selbst die Erinnerung an ihn auf Erden auszulöschen?

Jedoch der von einem einzigen Volk Gekreuzigte fand Platz in den Herzen so vieler Völker; und der damals von einem einzigen Stamm Getötete wird nunmehr von allen Stämmen angebetet.

Und dennoch, nicht allein damals, sogar jetzt noch lesen Blinde und singen Taube, was von prophetischer Stimme bereits lange zuvor als künftiges Ereignis verkündet wurde: „Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt und alle meine Gebeine gezählt. Sie betrachteten mich, teilten meine Kleider unter sich und warfen das Los über mein Kleid“ (Ps 22,17-19).

Diese im Psalm vorausgesagten Weissagungen werden im Evangelium als in Erfüllung gegangene Ereignisse gelesen: Indes, damals geschah dies durch die Hände der Juden, was deren Ohren vergeblich erreichte. Und je weniger die prophetisch vorausgesagte Passion des Herrn von ihnen verstanden wurde, desto drastischer wurde es (von ihnen) vollzogen. Jetzt freilich lesen sie die Voraussage, und sie erkennen auch deren Erfüllung. Und immer noch ziehen sie es vor, Christus zu verleugnen, weil sie ihn nicht mehr töten können.

Schlimmer jedoch als die Juden sind die Häretiker: denn jene leugnen Christus, den sie nicht schauen; diese bekämpfen seine Kirche, die sie sehen. Jämmerlicher noch und wahnsinniger handeln die Häretiker im Unterschied nicht nur zu den Juden, die gegenwärtig Christus verleugnen, sondern sogar zu jenen (Juden) die ihn (damals) töteten: denn jene löschten nicht den Titel (auf der Tafel) des am Holz Hängenden, diese (hingegen) blasen das Taufsakrament dessen aus, der im Himmel thront.

Deshalb antworten wir mit dem gegenwärtig (soeben rezitierten oder gesungenen) Psalm beiden Gegnern (Christi): denen, die das Haupt leugnen, und denen, die den Leib leugnen.

Das Haupt ist nämlich Christus, der Leib ist die Kirche. Gegen die Juden lesen wir (dort): „Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt und alle meine Gebeine gezählt“, und was (dort) noch folgt. Gegen die Häretiker lesen wir: „Es werden gedenken und sich dem Herrn zuwenden alle Enden der Erde, und es werden anbeten vor seinem Angesicht alle Reiche der Heiden; denn des Herrn ist die Herrschaft, er selbst wird über die Völker regieren“ (Ps 22,28f.).

Aber erwägen wir, was jenes „von oben her (als ein Ganzes) durchgewebte Kleid“ bedeutete, das selbst die nicht unter sich teilten, die Christus getötet haben, sondern zu dem jene durch das Los gelangten, die dazu gelangen konnten.

Es können also durch viele Häretiker Christi Sakramente geteilt werden: keiner der Gläubigen zerreißt und teilt Christi Liebe; die indes „Anteil haben am Geschick der Heiligen, die im Lichte sind“ (vgl. Col 1,12), die (nämlich) bewahren die Liebe gleichsam als ihr Eigentum, weil sie die Einheit geistig lieben.

Deshalb, Ihr Lieben, lasst uns diesen Tag mit der gewohnten Ehrerbietung begehen: lasst uns aber uns des Kreuzes Christi rühmen, (und zwar) nicht nur einmal im Jahr, sondern in andauernder Frömmigkeit.«
Nähere Erläuterungen zu dem Text und auch zu dem möglicherweise im Text zu erkennenden Antijudaismus oder gar Antisemitismus findet man im Internet auf den Seiten der Zentrums für Augustinusforschung in Würzburg.