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Samstag, 7. November 2015

Das Konzil umsetzen XII

Die Pa­sto­ral­kon­sti­tu­tion über die Kir­che in der Welt von heu­te des II. Va­ti­ka­ni­schen Kon­ils mit dem Ti­tel »Gau­di­um et Spes«, wid­met sich im er­sten Ka­pi­tel des zwei­ten Haupt­teils der »För­de­rung der Wür­de der Ehe und der Fa­mi­lie«. Die­ses Ka­pi­tel um­fasst die Ab­schnit­te 47–52. Es lohnt sich die­se sechs Ab­schnit­te ganz zu le­sen. Hier sei nur ex­em­pla­risch ein Ab­schnitt zi­tiert:
»49. Die ehe­liche Lie­be
Mehr­fach for­dert Got­tes Wort Braut- und Ehe­leu­te auf, in keu­scher Lie­be ihre Braut­zeit zu ge­stal­ten und in un­ge­teil­ter Liebe ihre Ehe durch­zuhal­ten und zu ent­fal­ten. Auch in un­se­rer Zeit hat die wah­re Lie­be zwi­schen Mann und Frau in der Ehe, wie sie sich in ver­schie­de­ner Weise je nach Volk und Zeit ge­ziemend äußert, als ho­her Wert Gel­tung. Die­se ei­gen­tüm­lich mensch­li­che Lie­be geht in frei be­jah­ter Nei­gung von Per­son zu Per­son, um­greift das Wohl der gan­zen Per­son, ver­mag so den leib-see­li­schen Aus­drucks­mög­lich­kei­ten ei­ne ei­gene Wür­de zu ver­lei­hen und sie als Ele­men­te und be­son­de­re Zei­chen der ehe­li­chen Freund­schaft zu adeln.
Die­se Lie­be hat der Herr durch ei­ne be­son­de­re Ga­be sei­ner Gna­de und Lie­be ge­heilt, voll­en­det und er­höht. Ei­ne sol­che Lie­be, die Mensch­li­ches und Gött­li­ches in sich eint, führt die Gat­ten zur frei­en ge­gen­sei­ti­gen Über­eig­nung ih­rer selbst, die sich in zar­ter Zu­nei­gung und in der Tat be­währt, und durch­dringt ihr gan­zes Le­ben; ja ge­rade durch ih­re Selbst­lo­sig­keit in Le­ben und Tun ver­wirk­licht sie sich und wächst. Sie ist viel mehr als bloß ei­ne ero­ti­sche An­zie­hung, die, ego­is­tisch ge­wollt, nur zu schnell wie­der er­bärm­lich ver­geht.
Die­se Lie­be wird durch den ei­gentli­chen Voll­zug der Ehe in be­son­de­rer Weise aus­ge­drückt und ver­wirk­licht. Je­ne Ak­te al­so, durch die die Ehe­leu­te in­nigst und lau­ter eins wer­den, sind von sitt­li­cher Wür­de; sie brin­gen, wenn sie hu­man voll­zo­gen wer­den, je­nes ge­gen­sei­ti­ge Über­eig­net­sein zum Aus­druck und ver­tie­fen es, durch das sich die Gat­ten ge­gen­sei­tig in Freu­de und Dank­bar­keit reich ma­chen. Die­se Liebe, die auf ge­gen­sei­ti­ge Treue ge­grün­det und in be­son­de­rer Wei­se durch Chri­sti Sa­kra­ment ge­hei­ligt ist, be­deu­tet unlösli­che Treue, die in Glück und Un­glück Leib und Seele um­faßt und dar­um un­ver­einbar ist mit je­dem Ehe­bruch und je­der Ehe­schei­dung. Wenn wirk­lich durch die ge­gen­sei­ti­ge und be­din­gungs­lo­se Lie­be die glei­che perso­nale Wür­de so­wohl der Frau wie des Man­nes an­er­kannt wird, wird auch die vom Herrn be­stä­tig­te Ein­heit der Ehe deut­lich.
Um die Pf­lich­ten die­ser christli­chen Be­ru­fung be­stän­dig zu er­fül­len, ist un­ge­wöhn­li­che Tu­gend er­for­der­lich. Von da­her müs­sen die Gat­ten, durch die Gn­ade zu hei­li­gem Le­ben ge­stärkt, Fe­stig­keit in der Lie­be, See­lengröße und Opfer­geist pfle­gen und im Ge­bet erbit­ten. Die ech­te ehe­li­che Lie­be wird hö­her ge­schätzt wer­den, und es wird sich ei­ne sach­ge­rech­te öff­ent­li­che Mei­nung über sie bil­den, wenn die christ­li­chen Gat­ten durch das Zeug­nis der Treue und Har­mo­nie in die­ser Liebe und durch Sorge für die Kin­der­er­zie­hung sich her­vor­tun und ih­re Pf­licht erfül­len bei ei­ner not­wen­di­gen kul­tu­rel­len, psycho­lo­gi­schen und so­zia­len Er­neue­rung zu­guns­ten von Ehe und Fa­mi­lie.
Ju­gend­li­che sol­len über die Wür­de, die Auf­ga­ben und den Voll­zug der ehe­li­chen Lie­be am bes­ten im Kreis der Fa­milie selbst recht­zei­tig in ge­eig­ne­ter Wei­se un­ter­rich­tet wer­den, da­mit sie, an keu­sche Zucht ge­wöhnt, im ent­spre­chen­den Al­ter nach ei­ner sau­be­ren Braut­zeit in die Ehe ein­tre­ten kön­nen.«