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Mittwoch, 3. Dezember 2014

Zwischen Taten und Worte

Am Sams­tag hat Erz­bi­schof Hans-Jo­sef in der Vor­abend­mes­se, die als Pon­ti­fi­kal­amt ge­fei­ert wur­de, die ewi­ge An­be­tung im Erz­bis­tum er­öff­net. Da­rüber be­rich­tet auch die In­ter­netsei­te des Erz­bis­tums so­wie die Lo­kal­pres­se in ih­ren Print­aus­ga­ben.
Die ewi­ge An­be­tung be­ginnt am ers­ten Ad­vent im Ho­hen Dom und setzt sich über da Jahr durch die ver­schie­de­nen Ge­mein­den fort. Im Ide­al soll so ei­ne un­un­ter­bro­che­ne Ket­te der ewi­gen An­be­tung ent­ste­hen. In den meis­ten Ge­mein­den wird sich al­ler­dings nicht 24 Stun­den lang ge­hal­ten, son­dern auf oft nur sehr we­ni­ge Stun­den ver­kürzt.
In dem Ar­ti­kel auf den In­ter­netsei­ten ist zu le­sen, was der Bi­schof in der Mes­se sag­te:
»Der Ad­vent und da­mit die Ad­vent­s­zeit be­gin­ne nur noch in den Kir­chen am ers­ten Ad­vent, außer­halb der Kir­chen sei er schon längst in vol­lem Gan­ge.«
Rein vom li­tur­gi­schen Ge­sche­hen hat er da­mit voll­kom­men Recht. In der Li­tur­gie be­ginnt der Ad­vent erst mit dem ers­ten Ad­vent. Aber Kir­che ist doch mehr als die Li­tur­gie.
»Der Ad­vent wol­le „die be­sinn­lichs­te Zeit im Jahr“ sein, aber nur all­zu leicht ge­ra­te die Be­sinn­lich­keit zur vor­der­grün­di­gen Sinn­lich­keit: „An­statt uns zu sam­meln, ver­flüchti­gen wir uns zwi­schen süßen Glüh­wein- und Ho­nig­düf­ten und ma­chen mit bun­ten Lich­tern auch die stills­te Nacht zum ner­vös flir­ren­den Tag.“«
Ich fra­ge mich, ob Erz­bi­schof Hans-Jo­sef mit ge­schlos­se­nen Au­gen zum Dom ge­gan­gen ist. Über den Markt auf dem Dom­platz hat­te ich ja schon ei­ne Be­mer­kung ge­schrie­ben. Ich fra­ge mich aber ins­be­son­de­re, ob er da mal Rich­tung Dom­turm ge­guckt hat? Ist ihm nicht auf­ge­fal­len, daß der der Dom­tum eben­falls seit dem Mon­tag vor dem ers­ten Ad­vent in »bun­ten Li­chern« il­lu­mi­niert ist?
Die Kir­che, hier ex­em­pla­risch in Ge­stalt der Ver­ant­wor­li­chen für den Dom, macht al­so teils in ers­ter Rei­he mit, wenn es dar­um geht, mit »bun­ten Li­chern« ei­ne »vor­der­grün­di­ge Sinn­lich­keit« zu pro­vo­zie­ren – und das schon vor dem er­sten Ad­vent.
Wer die Ver­an­stal­tungs­hin­wei­se der Wo­chen vor dem ers­ten Ad­vent ver­folgt hat, der wird auch fest­ge­stellt ha­ben, daß in ei­ni­gen Pfar­rei­en und Ein­rich­tun­gen schon vor dem Ad­vent zum Bei­spiel Ad­vents­ba­sa­re und ähn­li­ches statt­ge­fun­den ha­ben. Auch ei­ni­ge der kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen, Ver­bän­de und Grup­pen, wol­len näm­lich et­was vom „Ku­chen ab­be­kom­men“, das heißt von dem Geld, das die Kun­den vor Weih­nacht los wer­den wol­len.
Wenn die Kir­che mehr ist als ih­re Li­tur­gie, dann ist die The­se, daß in der Kir­che die Ad­vent­s­zeit erst mit dem ers­ten Ad­vent be­ginnt schwer zu hal­ten.

Mittwoch, 16. Juli 2014

Freiflächen zum individuellen liturgischen Handeln?

In be­reits zwei Blog­bei­trägen bin ich auf ein­zel­ne Punk­te in der um­strit­te­nen „Pas­to­ral­ver­ein­ba­rung 2013“ des Pas­to­ral­ver­bun­des Bal­ve-Hön­ne­tal aus letz­tem Jahr, die die Un­ter­schrift des Erz­bi­schofs Hans-Jo­sef Be­cker trägt, ein­ge­gan­gen
Auch in die­sem Bei­trag spielt sie wie­der ei­ne Rol­le. — Aber der Rei­he nach: Vor ei­ni­ger Zeit er­zähl­te mit je­mand in ei­nem Te­le­fonat, daß man in der Pfarr­kir­che in Bal­ve „weiße Stühle“ auf­ge­stellt ha­be. Ich konn­te mir das gar nicht so recht vor­stel­len und so bin ich ge­stern mal nach Bal­ve ge­fah­ren, um mir die Sa­che vor Ort an­zu­se­hen und ei­ni­ge Bil­der zu ma­chen.
Die­se weißen Stüh­le, die dort ste­hen, schei­nen auch in ge­wis­ser Wei­se auf die Pas­to­ral­ver­ein­ba­rung zu­rück­zu­ge­hen. Dort liest man an ver­schie­de­nen Stel­len in­ter­essan­te Din­ge und man kann ge­spannt sein, was hier den Gläu­bi­gen in Zu­kunft noch al­les zu­ge­mu­tet wird. Für die Pfarr­kir­che St. Bla­si­us in Bal­ve, die zum Zeit­punkt der Er­stel­lung der Pas­to­ral­ver­ein­ba­rung teil­wei­se noch re­no­viert wur­de, liest man:
»…Nach den Um­bau­ar­bei­ten wer­den nicht mehr al­le Bän­ke auf­ge­stellt, um im li­tur­gi­schen Be­reich in­di­vi­du­el­ler han­deln zu kön­nen…«
Für die Pfarr­kir­che Hei­li­ge Drei Köni­ge in Gar­beck ist gar zu le­sen:
»…Über­le­gen: Even­tu­ell Al­tar­raum um­ge­stal­ten für klei­ne­re Grup­pen - dann als Li­tur­gie­ort nut­zen…«
Und un­ter Punkt 8.3. in dem noch zu er­le­di­gen­de Auf­ga­ben und Her­aus­for­de­run­gen be­schrie­ben wer­den steht:
»…Kir­chen­raum­nut­zung über den Got­tes­dienst hin­aus (z.B. Frei­flä­chen, Pfarr­heim in­te­grie­ren)…«
Im Zu­ge der Re­no­vie­rung soll­ten al­so in Bal­ve auch Frei­fläch­en ge­schaf­fen wer­den, »um im li­tur­gi­schen Be­reich in­di­vi­du­el­ler han­deln zu kön­nen«, was auch im­mer das be­deu­ten mag. Wie dies teil­wei­se ge­macht wur­de, kann man am be­sten an­hand von Bil­dern bes­ser se­hen als be­schrei­ben. Es gibt bei You­tu­be ein Vi­deo, das auch ei­ni­ge Schwenks durch die Kir­che ent­hält:

Man sieht dort z.B. auf der rech­ten Sei­te beim Beicht­stuhl noch kur­ze Kir­chen­bän­ke; und eben­so auf der lin­ken Sei­te beim Wind­fang (s. Screens­hot-Aus­schnit­te):
Nach dem Um­bau sind die­se Bänke ver­schwun­den:
Zu­dem scheint es, daß die Gän­ge et­was ver­brei­tert wur­den. Die Bänke im Mit­tel­schiff wur­den auf ei­ne ein­heit­li­che Län­ge ge­stutzt, und he­ben sich so op­tisch von dem Rund­bau der Kir­che ab. Nun hat im Neu­bau­teil der Kir­che kei­ner mehr di­rekt ei­ne Säule vor den Au­gen. Die An­zahl der Sitz­plätze ist da­mit na­tür­lich auch ver­rin­gert.
Man hat al­so hier und da ein paar Qua­drat­me­ter als Frei­fläche ge­schaf­fen. Wie hier­durch im »li­tur­gi­schen Be­reich« ein in­di­vi­du­el­les Han­deln mög­lich sein soll, bleibt un­klar. Klar ist in­des, daß durch die Ver­rin­ge­rung der Sitz­plätze die Kir­che rein op­tisch bei nor­ma­len Got­tes­dien­sten vol­ler aus­sieht und bei ho­hen Fe­sten über­fül­lt aus­sieht, weil nicht mehr je­der einen Platz fin­det.
Ei­ne Frei­fläche hat­te man al­ler­dings im al­ten Teil der Kir­che ge­schaf­fen. Hier fehl­te ei­ne ge­wis­se Zeit lang gut die Hälf­te der Bän­ke ganz, so daß wirk­lich ei­ne große, zu­sam­men­hän­gen­de Frei­flä­che vor­han­den war.
Der al­te Teil der Kir­che ist um 90° zum neu­en Teil der Kir­che ver­setzt. Nach der Re­no­vie­rung in den 70er/80er Jah­ren, als be­gon­nen wur­de, den Al­tar in der al­ten Kir­che wie­der zu be­nut­zen, hat­te man einen Teil der Bän­ke mit Blick­rich­tung auf den Al­tar der al­ten Kir­che auf­ge­stellt, wäh­rend der an­de­re Teil um 90° ver­setzt die Blick­rich­tung zum Al­tar der neu­en Kir­che hat­te. Die Bän­ke mit Blick­rich­tung in die neue Kir­che sind im Zu­ge der letz­ten Re­no­vie­rung ver­schwun­den und sind ein­ge­la­gert. Hier war also eine Frei­flä­che ent­stan­den.
Die da­durch ent­stan­de­ne Frei­flä­che hat man nun aber wie­der mit den oben er­wähn­ten weißen Pla­stik­stüh­len, die gut in je­des War­te­zim­mer ei­ner Zahn­arzt­pra­xis pas­sen, zu­ge­stellt. Mit den der­zeit auf­ge­stell­ten Stüh­len schei­nen aber noch lan­ge nicht al­le Mög­lich­kei­ten aus­ge­schöp­ft. Un­ter der Or­gelbüh­ne in der al­ten Kir­che war­ten noch wei­te­re Stüh­le auf ih­re Nut­zung. Da­zu kann man sich ei­gent­lich nur noch an den Kopf fas­sen. Ein Ge­mein­de­mit­glied sag­te mir so­gar: „Ehe ich mich auf so einen Stuhl set­ze, blei­be ich lie­ber ste­hen.“
Auf der an­de­ren Sei­te ist na­tür­lich dort jetzt in­di­vi­du­el­les Han­deln auch im li­tur­gi­schen Be­reich mög­lich, weil die Stüh­le nicht so fest ste­hen wie Bän­ke und man pri­ma Stuhl­krei­se und ähn­li­ches bil­den kann.
Bei Ge­sprä­chen vor Ort kam her­aus, daß wie­der­um ge­gen­über Kri­ti­kern das Im­mu­ni­sie­rungs-Ar­gu­ment „Pa­der­born will das so“ oder „das ist ei­ne An­wei­sung aus Pa­der­born“ an­ge­führt wor­den sei. Pa­der­born ist schließ­lich 100km weit weg und dort wird kei­ner aus der Ge­mein­de, dem so et­was nicht ge­fällt, nach­fra­gen, ob es stimmt.
Ich kann nicht glau­ben, daß sich tat­säch­lich Leu­te im Ge­ne­ral­vi­ka­ri­at mit der Fra­ge nach weißen Stüh­len in ei­ner Kir­che be­schäf­ti­gen und „An­wei­sun­gen“ da­zu ge­ben, wenn­gleich in der Pas­to­ral 2.0 der­zeit al­les mög­lich er­scheint.
Soll­te es je­doch stim­men, daß in Be­zug auf das Auf­stel­len der Stüh­le tatsächlich An­wei­sun­gen aus dem Ge­ne­ral­vi­ka­ri­at ge­kom­men sind, so ist den­noch die nach dem Sinn die­ser Ak­ti­on zu fra­gen.
Ob­schon ge­nü­gend Kir­chen­bän­ke vor­han­den sind, die nun ein­ge­la­gert wur­den, sind Stüh­le an­ge­schafft wor­den, die man ja auch nicht um­sonst be­zo­gen ha­ben wird.
Ei­ner­seits wird im­mer über lee­re Kas­sen ge­klagt; an­de­rer­seits wird für so einen Un­sinn Geld aus dem Fens­ter ge­wor­fen.
Warum man zu­dem den Gläu­bi­gen, so sie denn tatsächlich viel­leicht mal die Stüh­le nut­zen, nö­tigt, auf dem Bo­den zu kni­en, er­schließt sich eben­so we­nig.
Oder wur­de das Kni­en in der Pas­to­ral 2.0 in­zwi­schen ganz ab­ge­schafft?