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Mittwoch, 30. Juli 2014

Moderne Stühle in alter Kirche

Über weiße Stühle, die in Tei­len ei­ner al­ten Kir­che auf­ge­stellt wur­den, hat­te ich am 16. Ju­li schon ein­mal ge­schrie­ben.
In den ak­tu­el­len Pfarr­nach­rich­ten (26.7–14.09) klärt der Kir­chen­vor­stand über die­se Stühle auf. Er sei sich be­wußt ge­we­sen, daß die An­schaf­fung mögli­cher­wei­se auf Kri­tik stoße, aber das ha­be man bil­li­gend in Kauf ge­nom­men. Vor­ab ha­be es lan­ge Dis­kus­sio­nen un­ter an­de­rem mit dem Denk­mal­amt in Müns­ter ge­ge­ben und man ha­be »al­le Fak­ten nüchtern ab­ge­wo­gen«. Dann sei man zu dem Ent­schluß ge­kom­men, »dass die po­si­ti­ven Aspek­te deut­lich über­wie­gen«.
»Die ka­tho­li­sche Kir­che be­fin­det sich be­kannt­lich in ei­nem struk­tu­rel­len Verände­rungs­pro­zess. Wir al­le müssen uns auf­ge­ru­fen fühlen, neue und vor al­lem fri­sche Denk­ansätze zu­zu­las­sen, auch wenn es uns mit­un­ter schwer fällt. Und dies nicht nur im Be­reich „Soft­wa­re“, wie es uns un­ser neu­er Papst be­reits ei­ni­ge Ma­le ins Stamm­buch ge­schrie­ben hat, son­dern auch in der „Hard­wa­re“. Was nützt es uns, wenn wir in der Theo­rie ab­seits der aus­ge­tre­te­nen Pfa­de ge­hen und sinn­bild­lich neue Schlösser in die Kir­che ein­bau­en, aber im­mer noch die al­ten Schlüssel be­nut­zen wol­len?«
Daß hier der Papst in An­spruch ge­nom­men wird, – ein an­de­rer Blog­ger prägte mal das Wort „Oc­cu­py the po­pe“ — wirkt schon ziem­lich weit her­ge­holt. Ich weiß frei­lich nicht, was der Papst sag­te, wenn man ihn früge, was er von den Stühlen hal­te. Ich weiß al­ler­dings auch nicht, ob er sich für sol­che Fra­ge­stel­lun­gen über­haupt in­ter­es­siert. Und ob der Papst in Be­zug auf neue Denk­ansätze als Me­tha­pher von „Soft­wa­re“ oder „Hard­wa­re“ ge­spro­chen hat, ist mir nicht er­in­ner­lich. Ins­ge­samt wirkt das Ar­gu­ment doch arg ab­surd ge­stelzt.
Doch wenn es um Ab­sur­ditäten geht, dann ist für den Kir­chen­vor­stand an die­ser Stel­le noch nicht Schluß, denn er be­nennt noch »drei we­sent­li­che Kern­punk­te«, die für die Stühle spre­chen:
»1. Stühle sind we­sent­lich fle­xibler ein­setz­bar als Bänke. Un­se­re Stühle sind zu­dem sehr ein­fach und platz­spa­rend sta­pel­bar. Für Tauf­fei­ern können die­se zum Bei­spiel wun­der­bar um das Tauf­be­cken her­um auf­ge­stellt wer­den. Wir wis­sen, dass vie­le Fa­mi­li­en das als schöne Kom­po­nen­te und Auf­wer­tung der Fei­er emp­fin­den. Oder den­ken Sie an die un­ter der Wo­che statt­fin­den­den Got­tes­diens­te, die eher karg be­sucht sind (lei­der). Die Lee­re al­lein in­ner­halb der al­ten Kir­che kommt ei­nem nicht mehr ganz so groß vor, wenn ein klei­ne­rer Rah­men ge­schaf­fen wird, und zwar in der Form, dass nur annähernd die An­zahl an Stühlen auf­ge­stellt wird wie Got­tes­dienst­be­su­cher zu­ge­gen sind.
2. Die großar­ti­ge Fläche der al­ten Kir­che zwi­schen den Säulen kommt erst vollständig zur Gel­tung, wenn der Raum in Gänze frei ist. Ei­ne be­ein­dru­cken­de At­mo­sphäre, die wir nun öfters ge­nießen dürfen. Da­mit ist klar, dass die Stühle nun im­mer vor Ort blei­ben, aber nicht ständig auf­ge­stellt sind.
3. Die neu­en Stühle in ih­rer schlich­ten, weißen Ausführung he­ben sich in her­vor­ra­gen­der Wei­se vom alt­ehrwürdi­gen Gemäuer ab. Viel­leicht ein Wi­der­spruch, aber Mo­der­nes und Be­jahr­tes in en­gem Dia­log ne­ben-ein­an­der. Das hat et­was Fas­zi­nie­ren­des, wenn man ge­willt ist, sich dar­auf ein­zu­las­sen.«
So­dann bit­tet der Kir­chen­vor­stand die Ge­mein­de­mit­glie­der, »sich mit der neu­en, natürlich noch un­ge­wohn­ten Si­tua­ti­on zu ar­ran­gie­ren«, denn weg be­kommt man die Stühle so­wie­so nicht mehr und wenn Auf­re­gen nichts nützt, ist Ar­ran­gie­ren die ru­hi­ge­re Al­ter­na­ti­ve. Als dann fehlt in der Er­klärung natürlich auch nicht das ak­tu­ell so wich­ti­ge Schlag­wort der Trans­pa­renz, die man mit die­sen In­for­ma­tio­nen schaf­fen woll­te.

Ein paar kur­ze An­mer­kun­gen zu den drei vom Kir­chen­vor­stand vor­ge­brach­ten Punk­te:
ad 1. – Die Kir­chen­vor­stand hat recht, wenn er fest­stellt, daß Stühle fle­xibler ein­setz­bar sind als Bänke. Sie sind ja auch viel klei­ner, leich­ter und be­weg­li­cher. Ob die­se Plas­tikstühle al­ler­dings dafür ge­eig­net sind ei­ne Tauf­fei­er auf­zu­wer­ten, ist ei­ne ganz ei­ge­ne Fra­ge. Wenn das so ist, dann muß man nämlich fra­gen, wo der „Wert“ ei­ner Tauf­fei­er liegt. Geht es da um das gu­te Fee­ling der An­we­sen­den oder geht es um die Auf­nah­me ei­nes Men­schen in die Ge­mein­schaft der Glau­ben­den und um die Ab­wa­schung der Erbsünde im Ba­de der Wie­der­ge­burt?
Frei­lich kom­men im­mer we­ni­ger Leu­te zu den werktägli­chen Got­tes­diens­ten. Da kann man auch mal nach den Ur­sa­chen fra­gen, statt gleich – für das gu­te Ku­schel­gefühl im klei­nen Kreis – Stühle an­zu­schaf­fen, die die Lee­re ka­schie­ren sol­len. Man könn­te et­wa fra­gen, ob es dar­an liegt, daß es im­mer wie­der pas­siert, daß un­an­gekündigt ei­ne Mes­se ausfällt und statt­des­sen ein Laie ei­ne Wort-Got­tes-Fei­er hält? Die­se Ar­ten der Fei­er ha­ben sich gott­lob noch nicht durch­set­zen können. Da ge­hen lie­ber die Leu­te wie­der nach Hau­se, als in ei­nem sol­chen Fall dort zu blei­ben. Im nächs­ten Schritt kom­men sie erst gar nicht, weil sie nicht wis­sen was jetzt wie­der auf sie zu kommt. In an­de­ren Fällen fal­len Mes­sen ganz aus, weil ir­gend­wo im Pas­to­ral­ver­bund am glei­chen Tag ei­ne Be­er­di­gung statt­fin­det oder statt­fand. Dann ste­hen die Leu­te, wenn sie von der Be­er­di­gung nicht zufällig et­was mit­be­kom­men ha­ben, vor ge­schlos­se­nen Türen. Wem so et­was zwei­mal pas­siert, der über­legt sich, ob er über­haupt noch kommt. Darüber hätte der Kir­chen­vor­stand im Vor­feld mal nach­den­ken können und nicht über einen Stuh­kauf.
ad 2. – War ge­ra­de noch die Lee­re ne­ga­tiv be­setzt und soll­te sie durch Bil­dung klei­ner Krei­se ka­schiert wer­den, ist jetzt die lee­re Fläche großar­tig. Ja was denn nun?
Die platz­spa­rend sta­pel­ba­ren Stühle sol­len mal auf­ge­stellt sein und mal nur »vor Ort blei­ben«. Das soll wohl heißen, daß sie dann ir­gend­wo, ver­mut­lich un­ter der Or­gelbühne ge­sta­pelt rum­ste­hen. Man darf ja wohl fra­gen, ob es wirk­lich sinn­voll ist, in ei­nem sa­kra­len Raum ei­ne Klünge­le­cke mit Sühlen zu schaf­fen. So et­was sieht im­mer un­auf­geräumt und un­fer­tig aus. Von den Schwie­rig­kei­ten beim Fe­gen und Put­zen der Kir­che (so­fern das über­haupt noch vernünf­tig ge­schieht), braucht man gar nicht erst zu re­den. Das be­trifft übri­gens so­wohl den Punkt der Klünge­le­cke als auch den Fall, daß die Stühle in der Kir­che auf­ge­stellt sind.
ad 3. – Schaf­fung von Wi­der­sprüchlich­kei­ten zwi­schen alt und neu als Dia­log zu be­zeich­nen fällt nor­ma­ler­wei­se nur ab­son­der­li­chen Künst­lern ein. Von ge­stan­de­nen West­fa­len im Kir­chen­vor­stand hätte man sol­che Wort­bla­sen kaum er­war­tet. In­so­fern ist dies wirk­lich ori­gi­nell und un­er­war­tet. – Man wird alt wie 'ne Kuh und lernt im­mer noch da­zu. – Den­noch bleibt die­ses Gesülze ein Nul­lar­gu­ment. Wenn die Mit­glie­der des Kir­chen­vor­stan­des so viel Wert auf Wi­der­sprüchli­ches le­gen, dann könn­te man sich auch freu­en, wenn je­mand Bier ins Weih­was­ser­be­cken kippt, weil der Be­su­cher dann auch was Un­er­war­te­tes ken­nen­lernt. Aber so weit will man dann hof­fent­lich doch nicht ge­hen.

Mittwoch, 16. Juli 2014

Freiflächen zum individuellen liturgischen Handeln?

In be­reits zwei Blog­bei­trägen bin ich auf ein­zel­ne Punk­te in der um­strit­te­nen „Pas­to­ral­ver­ein­ba­rung 2013“ des Pas­to­ral­ver­bun­des Bal­ve-Hön­ne­tal aus letz­tem Jahr, die die Un­ter­schrift des Erz­bi­schofs Hans-Jo­sef Be­cker trägt, ein­ge­gan­gen
Auch in die­sem Bei­trag spielt sie wie­der ei­ne Rol­le. — Aber der Rei­he nach: Vor ei­ni­ger Zeit er­zähl­te mit je­mand in ei­nem Te­le­fonat, daß man in der Pfarr­kir­che in Bal­ve „weiße Stühle“ auf­ge­stellt ha­be. Ich konn­te mir das gar nicht so recht vor­stel­len und so bin ich ge­stern mal nach Bal­ve ge­fah­ren, um mir die Sa­che vor Ort an­zu­se­hen und ei­ni­ge Bil­der zu ma­chen.
Die­se weißen Stüh­le, die dort ste­hen, schei­nen auch in ge­wis­ser Wei­se auf die Pas­to­ral­ver­ein­ba­rung zu­rück­zu­ge­hen. Dort liest man an ver­schie­de­nen Stel­len in­ter­essan­te Din­ge und man kann ge­spannt sein, was hier den Gläu­bi­gen in Zu­kunft noch al­les zu­ge­mu­tet wird. Für die Pfarr­kir­che St. Bla­si­us in Bal­ve, die zum Zeit­punkt der Er­stel­lung der Pas­to­ral­ver­ein­ba­rung teil­wei­se noch re­no­viert wur­de, liest man:
»…Nach den Um­bau­ar­bei­ten wer­den nicht mehr al­le Bän­ke auf­ge­stellt, um im li­tur­gi­schen Be­reich in­di­vi­du­el­ler han­deln zu kön­nen…«
Für die Pfarr­kir­che Hei­li­ge Drei Köni­ge in Gar­beck ist gar zu le­sen:
»…Über­le­gen: Even­tu­ell Al­tar­raum um­ge­stal­ten für klei­ne­re Grup­pen - dann als Li­tur­gie­ort nut­zen…«
Und un­ter Punkt 8.3. in dem noch zu er­le­di­gen­de Auf­ga­ben und Her­aus­for­de­run­gen be­schrie­ben wer­den steht:
»…Kir­chen­raum­nut­zung über den Got­tes­dienst hin­aus (z.B. Frei­flä­chen, Pfarr­heim in­te­grie­ren)…«
Im Zu­ge der Re­no­vie­rung soll­ten al­so in Bal­ve auch Frei­fläch­en ge­schaf­fen wer­den, »um im li­tur­gi­schen Be­reich in­di­vi­du­el­ler han­deln zu kön­nen«, was auch im­mer das be­deu­ten mag. Wie dies teil­wei­se ge­macht wur­de, kann man am be­sten an­hand von Bil­dern bes­ser se­hen als be­schrei­ben. Es gibt bei You­tu­be ein Vi­deo, das auch ei­ni­ge Schwenks durch die Kir­che ent­hält:

Man sieht dort z.B. auf der rech­ten Sei­te beim Beicht­stuhl noch kur­ze Kir­chen­bän­ke; und eben­so auf der lin­ken Sei­te beim Wind­fang (s. Screens­hot-Aus­schnit­te):
Nach dem Um­bau sind die­se Bänke ver­schwun­den:
Zu­dem scheint es, daß die Gän­ge et­was ver­brei­tert wur­den. Die Bänke im Mit­tel­schiff wur­den auf ei­ne ein­heit­li­che Län­ge ge­stutzt, und he­ben sich so op­tisch von dem Rund­bau der Kir­che ab. Nun hat im Neu­bau­teil der Kir­che kei­ner mehr di­rekt ei­ne Säule vor den Au­gen. Die An­zahl der Sitz­plätze ist da­mit na­tür­lich auch ver­rin­gert.
Man hat al­so hier und da ein paar Qua­drat­me­ter als Frei­fläche ge­schaf­fen. Wie hier­durch im »li­tur­gi­schen Be­reich« ein in­di­vi­du­el­les Han­deln mög­lich sein soll, bleibt un­klar. Klar ist in­des, daß durch die Ver­rin­ge­rung der Sitz­plätze die Kir­che rein op­tisch bei nor­ma­len Got­tes­dien­sten vol­ler aus­sieht und bei ho­hen Fe­sten über­fül­lt aus­sieht, weil nicht mehr je­der einen Platz fin­det.
Ei­ne Frei­fläche hat­te man al­ler­dings im al­ten Teil der Kir­che ge­schaf­fen. Hier fehl­te ei­ne ge­wis­se Zeit lang gut die Hälf­te der Bän­ke ganz, so daß wirk­lich ei­ne große, zu­sam­men­hän­gen­de Frei­flä­che vor­han­den war.
Der al­te Teil der Kir­che ist um 90° zum neu­en Teil der Kir­che ver­setzt. Nach der Re­no­vie­rung in den 70er/80er Jah­ren, als be­gon­nen wur­de, den Al­tar in der al­ten Kir­che wie­der zu be­nut­zen, hat­te man einen Teil der Bän­ke mit Blick­rich­tung auf den Al­tar der al­ten Kir­che auf­ge­stellt, wäh­rend der an­de­re Teil um 90° ver­setzt die Blick­rich­tung zum Al­tar der neu­en Kir­che hat­te. Die Bän­ke mit Blick­rich­tung in die neue Kir­che sind im Zu­ge der letz­ten Re­no­vie­rung ver­schwun­den und sind ein­ge­la­gert. Hier war also eine Frei­flä­che ent­stan­den.
Die da­durch ent­stan­de­ne Frei­flä­che hat man nun aber wie­der mit den oben er­wähn­ten weißen Pla­stik­stüh­len, die gut in je­des War­te­zim­mer ei­ner Zahn­arzt­pra­xis pas­sen, zu­ge­stellt. Mit den der­zeit auf­ge­stell­ten Stüh­len schei­nen aber noch lan­ge nicht al­le Mög­lich­kei­ten aus­ge­schöp­ft. Un­ter der Or­gelbüh­ne in der al­ten Kir­che war­ten noch wei­te­re Stüh­le auf ih­re Nut­zung. Da­zu kann man sich ei­gent­lich nur noch an den Kopf fas­sen. Ein Ge­mein­de­mit­glied sag­te mir so­gar: „Ehe ich mich auf so einen Stuhl set­ze, blei­be ich lie­ber ste­hen.“
Auf der an­de­ren Sei­te ist na­tür­lich dort jetzt in­di­vi­du­el­les Han­deln auch im li­tur­gi­schen Be­reich mög­lich, weil die Stüh­le nicht so fest ste­hen wie Bän­ke und man pri­ma Stuhl­krei­se und ähn­li­ches bil­den kann.
Bei Ge­sprä­chen vor Ort kam her­aus, daß wie­der­um ge­gen­über Kri­ti­kern das Im­mu­ni­sie­rungs-Ar­gu­ment „Pa­der­born will das so“ oder „das ist ei­ne An­wei­sung aus Pa­der­born“ an­ge­führt wor­den sei. Pa­der­born ist schließ­lich 100km weit weg und dort wird kei­ner aus der Ge­mein­de, dem so et­was nicht ge­fällt, nach­fra­gen, ob es stimmt.
Ich kann nicht glau­ben, daß sich tat­säch­lich Leu­te im Ge­ne­ral­vi­ka­ri­at mit der Fra­ge nach weißen Stüh­len in ei­ner Kir­che be­schäf­ti­gen und „An­wei­sun­gen“ da­zu ge­ben, wenn­gleich in der Pas­to­ral 2.0 der­zeit al­les mög­lich er­scheint.
Soll­te es je­doch stim­men, daß in Be­zug auf das Auf­stel­len der Stüh­le tatsächlich An­wei­sun­gen aus dem Ge­ne­ral­vi­ka­ri­at ge­kom­men sind, so ist den­noch die nach dem Sinn die­ser Ak­ti­on zu fra­gen.
Ob­schon ge­nü­gend Kir­chen­bän­ke vor­han­den sind, die nun ein­ge­la­gert wur­den, sind Stüh­le an­ge­schafft wor­den, die man ja auch nicht um­sonst be­zo­gen ha­ben wird.
Ei­ner­seits wird im­mer über lee­re Kas­sen ge­klagt; an­de­rer­seits wird für so einen Un­sinn Geld aus dem Fens­ter ge­wor­fen.
Warum man zu­dem den Gläu­bi­gen, so sie denn tatsächlich viel­leicht mal die Stüh­le nut­zen, nö­tigt, auf dem Bo­den zu kni­en, er­schließt sich eben­so we­nig.
Oder wur­de das Kni­en in der Pas­to­ral 2.0 in­zwi­schen ganz ab­ge­schafft?

Montag, 15. April 2013

Hilfe im Dialogprozess

Ein großes und sehr wich­ti­ges An­lie­gen des um­strit­te­nen, kirch­li­chen Dia­log­pro­zes­ses ist ein „Dia­log auf Au­genhöhe“.
Die ers­ten Ge­spräche und de­ren Aus­wer­tung durch spe­zia­li­sier­te Fach­leu­te auf bei­den Sei­ten, ha­ben her­aus­ge­ar­bei­tet, daß durch ana­to­mi­sche In­di­vi­dua­litäten der ein­zel­nen Dia­log­part­ner, die durch­aus ernst ge­nom­men wer­den und nicht klein­ge­re­det oder ver­nachläßigt wer­den sol­len, ge­wis­sen Schwie­rig­kei­ten ent­ste­hen, die es zu über­win­den gilt.
Er­lauch­te Un­ter­neh­mens­be­ra­ter, an­er­kann­te Kar­tof­fel­gra­fik­s­pe­zia­lis­ten, geschätz­te Psy­cho­lo­gen und berühm­te So­zi­lo­gen, so­wie ein Stab aus fähi­gen Ent­wick­lern und bewähr­ten Kon­struk­teu­ren wur­den be­auf­tragt, Hilfs­mit­tel zu ent­wi­ckeln, die in Zu­kunft Pro­ble­me in die­sem Be­reich zu mi­ni­mie­ren hel­fen. Die vielfälti­gen Ein­ga­ben aus den ver­schie­de­nen Be­rei­chen, Grup­pen, Gre­mi­en und Verbänden führ­ten zu in­no­va­ti­ven Neu­ig­kei­ten:
Durch in­ves­ti­ga­ti­ven Ar­bei­ten ist es dem Be­trei­ber die­ses Blogs in­zwi­schen ge­lun­gen, in die letz­ten und – so wie es aus­sieht auch endgülti­gen – Ent­wurf­zeich­nun­gen Ein­blick zu neh­men. Die­se ent­stan­den am En­de der Fin­de­pha­se und wur­den von ei­nem re­no­mier­ten De­si­gner nach den ver­bind­li­chen Vor­ga­ben der hoch­karätig be­setz­ten Steue­rungs­grup­pe er­stellt.
Das Er­geb­nis kann sich durch­aus se­hen las­se: Es han­delt sich um ei­ne sty­li­sche Dia­log-Pro­zess­bril­le, mit der die Dia­log­part­ner wirk­lich auf Au­genhöhe spre­chen können.
Die schlich­te graue Bril­le im mo­der­nen Re­tro-De­sign ist mit vor­teil­haf­ten ro­sa Gläsern aus­ge­stat­tet.

Das er­in­nert gleich an den al­te Wer­bes­lo­gan: „Bril­le? – Leh­mann!“

Sonntag, 14. April 2013

FoKiKoKa

Im Rahmen des Dialogprozesses wurde von mehreren Stellen aus mehreren Quellen berichtet, daß es einige sprachliche Differenzen gab, die im Sinne eines offenen und gerechten Dialogs zu unakzeptablen Mißverständnissen führten, welche den Eindruck erweckten, als gäbe es schon auf sprachlicher Ebene Unterschiede zwischen den umstrittenen Vertretern der Kirchenleitung und dem gläubigen Volk.
Auf diese Problematik haben die Verantwortlichen auf höchster Ebene reagiert, und umgehend die Arbeitsgruppe „Kommunikationskultur- und Kommunikationsstrukturanalyse im kirchlichen Kontext des 21. Jh.“ (KoKokiKo2021) ins Leben gerufen. Diese Arbeitsgruppe legte nun den Formulierungshelfer für kirchliche Kommunikations Kanäle“ (FoKiKoKa) vor. Die Formulierungshilfe arbeitet auf einer dreigliedrigen Abstraktionsebene. Das Grundschema Nr. 1 stellt sich wie folgt da:

0: nachzonliare 0: Kommunikations-0: -problematik
1: experimentelle 1: Informations-1: -analyse
2: klerikale 2: Struktur-2: -politik
3: progressive 3: Programm-3: -strategie
4: aufgabengerechte 4: Personal-4: -manipulation
5: optimale 5: Gremien-5: -stagnation
6: pluralistische 6: Sach-6: -koordinierung
7: interpedendente 7: Zielgruppen-7: -planung
8: omnipotente 8: Rationalisierungs-8: -zwänge
9: gruppenspezifische 9: Entwicklungs-9: -orinetierung

In der Anwendung ist diese Schema einfach. Schon in der diskussionsvorbereitenden Phase können sich die Diskussionsteilnehmer die von ihnen besonders ins Auge gefaßten Themen leicht merken, indem sie sich eine dreistellige Zahl einprägen oder notieren. Wer z.B. über „gruppenspezifische Gremienanalyse“ sprechen möchte, merkt ich einfach die Zahl 951.
Aber auch ganze Diskussionsverläufe lassen sich so vorplanen oder auch während der Diskussion notieren. So ist jeder voll drin und dabei.
Ein ganzer Argumentationsstrang läßt sich so sehr einfach merken und kann dann in die Diskussion einfließen. So kann 001 → 621 + 972 einfach stehen für den Satz „Die nachkonziliare Kommunikationsproblematik erfordert pluralistische Strukturanalysen und gruppenspezifische Zielgruppenpolitik“. (Noch nie war Stenographie so einfach wie heute!)
Ziel dieses Schemas kann es für die Zukunft sein, daß die Diskussionsteilnehmer vermehrt nur noch per Zahlencodes kommunizieren. Auch Struturdiagramme, Ablaufpläne und vieles mehr lassen sich hervorragend mit Begriffen des „Grundschemas Nr. 1“ darstellen.

Aus der „Steuerungsgruppe für vertiefte Sachdiskussionen“ der Unterkommision Süd-Süd-West kam der Vorschlag für spezielle Themen ein ergänzendes Schema oder ein zweites Grundschema zu erarbeiten. Die Arbeitsgruppe KoKokiKo2021 nahm diesen Vorschlag dankend an und entwarf das Grundschema Nr. 2, das sich wie folgt darstellt:

0: konzentrierte 0: Führungs-0: -struktur
1: integrierte 1: Organisations-1: -flexibilität
2: permanente 2: Identifikations-2: -ebene
3: systematisierte 3: Kirchen-3: -tendenz
4: progressive 4: Koalitions-4: -programmierung
5: funktionelle 5: Modell-5: -konzeption
6: orientierte 6: Übergangs-6: -phase
7: synchrone 7: Wachstums-7: -potenz
8: qualifizierte 8: Aktions-8: -problematik
9: caritative 9: Interpretations-9: -kontingenz

Die Arbeitsgruppe KoKokiKo2021 rät dringend, daß sich die Teilnehmer durch 506 (gem. Grundschema Nr. 1) auf eines der beiden Schemata einigen, damit es nicht zu Kommunikationsproblemen kommt, die ja gerade durch die Einführung der ersten beiden Schemata ad experimentum vermieden werden sollen.

Unbestätigten Meldungen zufolge sind aufgrund der in drei Testgruppen mit phantastischem Erfolg durchgeführten Praxistests zwei Ergänzungsschemata in Arbeit. Ob, wie gerüchteweise zu vernehmen war, gar Umstrukturierung in ein 4-gliedriges System für dann 10.000 Zahlencodes geplant ist, liegt derzeit noch im Dunkeln.
Eins ist jedoch klar: Die nächste Runde des Dialogprozesses wird davon noch nicht beeinflußt sein, und die Teilnehmer können sich auf das dreigliedrige Schema verlassen. Die Erfahrungen aus dieser Dialogrunde werden aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in die weiteren Planungen einfließen.


(In Anlehung an einen Text im Buch:
Der Himmel und das Bodenpersonal)

Sonntag, 7. April 2013

Zu große Kirchen?

In der umstrittenen Zeitschrift „Gottesdienst“ erschien 2005 (Nr. 13, 97-99) die „Vorabveröffentlichung der Ergänzung der "Leitlinien für den Bau und die Ausgestaltung von gottesdienstlichen Räumen", erarb. von der Arbeitsgruppe für kirchliche Architektur und sakrale Kunst (AKASK) der Liturgiekommission der DBK“. Dieser Text ist Im Internet abrufbar.
»Die Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonferenz hat die Arbeitsgruppe für kirchliche Architektur und sakrale Kunst (AKASK) beauftragt, sich mit der Problematik zu großer Kirchen zu befassen und die „Leitlinien für den Bau und die Ausgestaltung von gottesdienstlichen Räumen“ hinsichtlich dieser Frage zu ergänzen.«
Grundsätzlich kann man fragen, was eigentlich unter der „Problematik zu großer Kirchen“ zu verstehen ist bzw. wie so etwas entstehen kann, wo doch Kirchengebäude für gewöhnlich nicht wachsen, sondern eine feste Größe haben. Das Papier gibt gleich zu Beginn wage Hinweise. Die Gründe, daß Kirchen als zu groß wahrgenommen würden, seien vielschichtig. Dennoch fällt der Arbeitsgruppe als konkret greifbarer Grund nur die rückgängigen Kirchenbesucherzahlen ein. Ein zweiter Grund definiert „zu groß“ im Sinne von „zu teuer in der Erhaltung“ um.
In beiden Fällen geht es um die Reaktion auf schrumpfende Gemeinden in denen entweder die Leute oder deren Geld nicht in die Kirche kommt. Natürlich soll eine Architektur- und Kunstgruppe wie der Schuster bei ihren Leisten bleiben. Der Fehler liegt also schon beim Auftraggeber, der Deutschen Bischofskonferenz. Das Problem sind nicht zu große Kirchen, sondern zu wenige aktive Gläubige. Es ist keine Frage der Architektur, sondern eine Frage der Evangelisierung. Leider liegt dies Thema bei der DBK brach. Also doktort man an Symptomen rum.
»An erster Stelle steht die Analyse der räumlichen Gegebenheiten und des Raumbedarfs der Gemeinde. Wenn die Kirche als zu groß empfunden wird, können sich folgende Fragen stellen:
  • Liegt es am Raum selbst, an seiner Größe?
  • Liegt es an der Qualität des Raumes und seiner Gestaltung?
  • Liegt es an der „Möblierung“ des Raumes?«
Nach einigen pastoralen Allgemeinplätzen gibt es konkrete Vorschläge, wie z.B.:
»Ein erster Schritt kann die Reduzierung der Bänke bzw. der Bestuhlung auf die Dimension einer Sonntagsmesse sein sowie eine sinnvolle Anordnung der verbleibenden Bänke bzw. Stühle. Licht bzw. Beleuchtung, Heizung und Beschallung sind dabei wichtige Gesichtspunkte. Ein positiver Effekt der Reduzierung können die dadurch entstehenden Freiräume sein. Sie ermöglichen eine neue Wahrnehmung des Raumes und unterstützen liturgische Handlungsabläufe wie Prozessionen, Umgänge (Kreuzweg), szenische Darstellungen, liturgischen Tanz.
Eine kleine Gruppe stehender Menschen kann einen großen Raum füllen, während leere Bänke oder Sitze immer den Eindruck von mangelnder Teilnahme erwecken. Bei großer Teilnehmerzahl wird man die Freiräume mit flexibler Bestuhlung ausfüllen können, für die ein Stuhlmagazin vorzusehen wäre.«
Auf liturgischen Quatsch, wie den Tanz will ich hier nicht eingehen. Es sind eben Architekten und keine Liturgen die dort schreiben. Wenn dann aber endlich Platz geschaffen ist dann kann es zu einer „Neudefinition des Feierraumes“ kommen wobei man auf „historische Vorbilder“ blicken kann. Aber auch „räumliche Veränderungen“ sind drin, wie die „Abtrennung von Raumteilen“ und „baulichen Veränderungen“.
Letztlich dreht sich alles darum, wie man durch Glaubens- und Gläubigenschwund leer gewordene Kirchen so umgestalten und funktional umdefinieren kann, daß der Eindruck von Fülle entsteht.
Das Gesamtmotto ist: Problemverwaltung statt Problemlösung, weil das eigentliche Problem, das freilich auf anderer Ebene liegt, gar nicht in den Blick genommen wird. Eine Architektur- und Kunstarbeitsgruppe ist für das Problem gar nicht zuständig. Dafür braucht man eine Arbeitsgruppe für die Neuevangelisierung und Mission.
Aber heute, 8 Jahre später, hat sich in dem Punkte immer noch nichts getan, obwohl das Problem immer größer wird.