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Donnerstag, 12. Juni 2014

Das Konzil umsetzen V

Aus der Liturgiekonstitution »Sacrosanctum Concilium« Nr. 101:
»§ 1. Gemäß jahr­hun­der­te­al­ter Über­lie­fe­rung des la­tei­ni­schen Ri­tus sol­len die Kle­ri­ker beim Stun­den­ge­bet die la­tei­ni­sche Spra­che bei­be­hal­ten. Je­doch ist der Or­di­na­ri­us ermächtigt, in ein­zel­nen Fällen je­nen Kle­ri­kern, für die der Ge­brauch der la­tei­ni­schen Spra­che ein erns­tes Hin­der­nis für den rech­ten Voll­zug des Stun­den­ge­be­tes be­deu­tet, die Be­nützung ei­ner nach Maßga­be von Art. 36 ge­schaf­fe­nen mut­ter­sprach­li­chen Über­set­zung zu ge­stat­ten.
§ 2. Der zuständi­ge Obe­re kann den Chor­frau­en so­wie den Mit­glie­dern der Or­den und or­densähn­li­chen Ge­mein­schaf­ten al­ler Art, sei­en es Män­ner, die nicht Kle­ri­ker sind, sei­en es Frau­en, ge­stat­ten, daß sie für das Stun­den­ge­bet auch im Chor die Mut­ter­spra­che be­nut­zen kön­nen, so­fern die Über­set­zung ap­pro­biert ist.
§ 3. Je­der zum Stun­den­ge­bet ver­pflich­te­te Kle­ri­ker, der zu­sam­men mit ei­ner Grup­pe von Gläubi­gen oder mit den in § 2 Ge­nann­ten das Stun­den­ge­bet in der Mut­ter­spra­che fei­ert, erfüllt sei­ne Pflicht, so­fern der Text der Übert­ra­gung ap­pro­biert ist.«
In die­sem Zu­sam­men­hang sei auch die von der Ri­ten­kon­gre­ga­ti­on am 26. Sep­tem­ber 1964 her­aus­ge­ge­be­ne »In­struk­ti­on zur ord­nungs­gemäßen Durchführung der Kon­sti­tu­ti­on über die Hei­li­ge Li­tur­gie« erwähnt. Bezüglich der Er­laub­nis­se für den Ein­zel­fall sagt sie in Nr. 87:
»Bei der Be­ur­tei­lung des „erns­ten Hin­der­nis­ses“, das Vor­aus­set­zung zur Er­tei­lung der oben erwähren Er­laub­nis ist, soll die phy­si­sche, mo­ra­li­sche, geis­ti­ge und geist­li­che La­ge des An­trag­stel­lers er­wo­gen wer­den. Die­se Er­laub­nis wird nur gewährt, um das Stun­den­ge­bet zu er­leich­tern und die An­dacht zu fördern; sie zielt kei­nes­wegs dar­auf ab, die Ver­pflich­tung ab­zu­schaf­fen, daß die Pries­ter des la­tei­ni­schen Ri­tus La­tein ler­nen.«
Und bezüglich der Bre­vie­re liest man in Nr. 89:
»Die Bre­vie­re für Kle­ri­ker, de­nen gemäß Art. 101 §1 der Kon­sti­tu­ti­on beim Stun­den­ge­bet der Ge­brauch der Mut­ter­spra­che ge­stat­tet wird, müßen außer der mut­ter­sprach­li­chen Über­set­zung auch den la­tei­ni­schen Text ent­hal­ten.«
Am 6. No­vem­ber 1964 er­teil­te die Ri­ten­kon­gre­ga­ti­on dann in ei­nem Re­s­cript…
»…der im Ver­lag Fried­rich Pus­tet in Re­gens­burg er­schei­nen­den Aus­ga­be des römi­schen Bre­viers, die bei­ge­bun­den zum vol­len la­tei­ni­schen Text als Sup­ple­ment die deut­sche Über­set­zung von Schenk enthält die Ap­pro­ba­ti­on für den li­tur­gi­schen Ge­brauch.«

In der »WDR Lo­kal­zeit OWL« vom 11. Juni 2014 er­klärte der neue Dom­probst am Ho­hen Dom zu Pa­der­born, Msgr. Joachim Gö­bel in dem an­son­sten gu­ten Inter­view, daß Gläubige aber auch Prie­ster er­heb­liche Pro­bleme mit dem La­tein ha­ben. Schon zur Zeit des Stu­di­ums sei die la­tei­ni­sche Ves­per am Sonn­tag ei­ni­gen schwer ge­fallen. Aus die­sem Grunde wur­de schon seit Januar die­sen Jah­res die lat­einische, zwei­te Vesper am Sonn­tag im Hohen Dom ab­ge­schafft und durch ei­ne deutsche, er­ste Ves­per am Sams­tag er­setzt.
Den Laien kann man si­cher kei­nen Vor­wurf ma­chen, wenn sie kein La­tein kön­nen. Bei den Prie­stern hin­ge­gen kann man schon kri­tisch fra­gen, ob sie sich mit sol­chen Aus­sa­gen nicht selbst ein Ar­muts­zeug­nis aus­stel­len.

Link zum Video in der WDR-Mediathek (eine Woche abrufbar): KLICK