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Mittwoch, 16. Juli 2014

Freiflächen zum individuellen liturgischen Handeln?

In be­reits zwei Blog­bei­trägen bin ich auf ein­zel­ne Punk­te in der um­strit­te­nen „Pas­to­ral­ver­ein­ba­rung 2013“ des Pas­to­ral­ver­bun­des Bal­ve-Hön­ne­tal aus letz­tem Jahr, die die Un­ter­schrift des Erz­bi­schofs Hans-Jo­sef Be­cker trägt, ein­ge­gan­gen
Auch in die­sem Bei­trag spielt sie wie­der ei­ne Rol­le. — Aber der Rei­he nach: Vor ei­ni­ger Zeit er­zähl­te mit je­mand in ei­nem Te­le­fonat, daß man in der Pfarr­kir­che in Bal­ve „weiße Stühle“ auf­ge­stellt ha­be. Ich konn­te mir das gar nicht so recht vor­stel­len und so bin ich ge­stern mal nach Bal­ve ge­fah­ren, um mir die Sa­che vor Ort an­zu­se­hen und ei­ni­ge Bil­der zu ma­chen.
Die­se weißen Stüh­le, die dort ste­hen, schei­nen auch in ge­wis­ser Wei­se auf die Pas­to­ral­ver­ein­ba­rung zu­rück­zu­ge­hen. Dort liest man an ver­schie­de­nen Stel­len in­ter­essan­te Din­ge und man kann ge­spannt sein, was hier den Gläu­bi­gen in Zu­kunft noch al­les zu­ge­mu­tet wird. Für die Pfarr­kir­che St. Bla­si­us in Bal­ve, die zum Zeit­punkt der Er­stel­lung der Pas­to­ral­ver­ein­ba­rung teil­wei­se noch re­no­viert wur­de, liest man:
»…Nach den Um­bau­ar­bei­ten wer­den nicht mehr al­le Bän­ke auf­ge­stellt, um im li­tur­gi­schen Be­reich in­di­vi­du­el­ler han­deln zu kön­nen…«
Für die Pfarr­kir­che Hei­li­ge Drei Köni­ge in Gar­beck ist gar zu le­sen:
»…Über­le­gen: Even­tu­ell Al­tar­raum um­ge­stal­ten für klei­ne­re Grup­pen - dann als Li­tur­gie­ort nut­zen…«
Und un­ter Punkt 8.3. in dem noch zu er­le­di­gen­de Auf­ga­ben und Her­aus­for­de­run­gen be­schrie­ben wer­den steht:
»…Kir­chen­raum­nut­zung über den Got­tes­dienst hin­aus (z.B. Frei­flä­chen, Pfarr­heim in­te­grie­ren)…«
Im Zu­ge der Re­no­vie­rung soll­ten al­so in Bal­ve auch Frei­fläch­en ge­schaf­fen wer­den, »um im li­tur­gi­schen Be­reich in­di­vi­du­el­ler han­deln zu kön­nen«, was auch im­mer das be­deu­ten mag. Wie dies teil­wei­se ge­macht wur­de, kann man am be­sten an­hand von Bil­dern bes­ser se­hen als be­schrei­ben. Es gibt bei You­tu­be ein Vi­deo, das auch ei­ni­ge Schwenks durch die Kir­che ent­hält:

Man sieht dort z.B. auf der rech­ten Sei­te beim Beicht­stuhl noch kur­ze Kir­chen­bän­ke; und eben­so auf der lin­ken Sei­te beim Wind­fang (s. Screens­hot-Aus­schnit­te):
Nach dem Um­bau sind die­se Bänke ver­schwun­den:
Zu­dem scheint es, daß die Gän­ge et­was ver­brei­tert wur­den. Die Bänke im Mit­tel­schiff wur­den auf ei­ne ein­heit­li­che Län­ge ge­stutzt, und he­ben sich so op­tisch von dem Rund­bau der Kir­che ab. Nun hat im Neu­bau­teil der Kir­che kei­ner mehr di­rekt ei­ne Säule vor den Au­gen. Die An­zahl der Sitz­plätze ist da­mit na­tür­lich auch ver­rin­gert.
Man hat al­so hier und da ein paar Qua­drat­me­ter als Frei­fläche ge­schaf­fen. Wie hier­durch im »li­tur­gi­schen Be­reich« ein in­di­vi­du­el­les Han­deln mög­lich sein soll, bleibt un­klar. Klar ist in­des, daß durch die Ver­rin­ge­rung der Sitz­plätze die Kir­che rein op­tisch bei nor­ma­len Got­tes­dien­sten vol­ler aus­sieht und bei ho­hen Fe­sten über­fül­lt aus­sieht, weil nicht mehr je­der einen Platz fin­det.
Ei­ne Frei­fläche hat­te man al­ler­dings im al­ten Teil der Kir­che ge­schaf­fen. Hier fehl­te ei­ne ge­wis­se Zeit lang gut die Hälf­te der Bän­ke ganz, so daß wirk­lich ei­ne große, zu­sam­men­hän­gen­de Frei­flä­che vor­han­den war.
Der al­te Teil der Kir­che ist um 90° zum neu­en Teil der Kir­che ver­setzt. Nach der Re­no­vie­rung in den 70er/80er Jah­ren, als be­gon­nen wur­de, den Al­tar in der al­ten Kir­che wie­der zu be­nut­zen, hat­te man einen Teil der Bän­ke mit Blick­rich­tung auf den Al­tar der al­ten Kir­che auf­ge­stellt, wäh­rend der an­de­re Teil um 90° ver­setzt die Blick­rich­tung zum Al­tar der neu­en Kir­che hat­te. Die Bän­ke mit Blick­rich­tung in die neue Kir­che sind im Zu­ge der letz­ten Re­no­vie­rung ver­schwun­den und sind ein­ge­la­gert. Hier war also eine Frei­flä­che ent­stan­den.
Die da­durch ent­stan­de­ne Frei­flä­che hat man nun aber wie­der mit den oben er­wähn­ten weißen Pla­stik­stüh­len, die gut in je­des War­te­zim­mer ei­ner Zahn­arzt­pra­xis pas­sen, zu­ge­stellt. Mit den der­zeit auf­ge­stell­ten Stüh­len schei­nen aber noch lan­ge nicht al­le Mög­lich­kei­ten aus­ge­schöp­ft. Un­ter der Or­gelbüh­ne in der al­ten Kir­che war­ten noch wei­te­re Stüh­le auf ih­re Nut­zung. Da­zu kann man sich ei­gent­lich nur noch an den Kopf fas­sen. Ein Ge­mein­de­mit­glied sag­te mir so­gar: „Ehe ich mich auf so einen Stuhl set­ze, blei­be ich lie­ber ste­hen.“
Auf der an­de­ren Sei­te ist na­tür­lich dort jetzt in­di­vi­du­el­les Han­deln auch im li­tur­gi­schen Be­reich mög­lich, weil die Stüh­le nicht so fest ste­hen wie Bän­ke und man pri­ma Stuhl­krei­se und ähn­li­ches bil­den kann.
Bei Ge­sprä­chen vor Ort kam her­aus, daß wie­der­um ge­gen­über Kri­ti­kern das Im­mu­ni­sie­rungs-Ar­gu­ment „Pa­der­born will das so“ oder „das ist ei­ne An­wei­sung aus Pa­der­born“ an­ge­führt wor­den sei. Pa­der­born ist schließ­lich 100km weit weg und dort wird kei­ner aus der Ge­mein­de, dem so et­was nicht ge­fällt, nach­fra­gen, ob es stimmt.
Ich kann nicht glau­ben, daß sich tat­säch­lich Leu­te im Ge­ne­ral­vi­ka­ri­at mit der Fra­ge nach weißen Stüh­len in ei­ner Kir­che be­schäf­ti­gen und „An­wei­sun­gen“ da­zu ge­ben, wenn­gleich in der Pas­to­ral 2.0 der­zeit al­les mög­lich er­scheint.
Soll­te es je­doch stim­men, daß in Be­zug auf das Auf­stel­len der Stüh­le tatsächlich An­wei­sun­gen aus dem Ge­ne­ral­vi­ka­ri­at ge­kom­men sind, so ist den­noch die nach dem Sinn die­ser Ak­ti­on zu fra­gen.
Ob­schon ge­nü­gend Kir­chen­bän­ke vor­han­den sind, die nun ein­ge­la­gert wur­den, sind Stüh­le an­ge­schafft wor­den, die man ja auch nicht um­sonst be­zo­gen ha­ben wird.
Ei­ner­seits wird im­mer über lee­re Kas­sen ge­klagt; an­de­rer­seits wird für so einen Un­sinn Geld aus dem Fens­ter ge­wor­fen.
Warum man zu­dem den Gläu­bi­gen, so sie denn tatsächlich viel­leicht mal die Stüh­le nut­zen, nö­tigt, auf dem Bo­den zu kni­en, er­schließt sich eben­so we­nig.
Oder wur­de das Kni­en in der Pas­to­ral 2.0 in­zwi­schen ganz ab­ge­schafft?

Dienstag, 18. März 2014

Die locken von Rom

Beim Stöbern bei BookRix bin ich auf eine satirische Kurz­ge­schichte von drei Seiten (netto) Länge gestoßen, die ich hier mal empfehlen möchte. Es geht im weiteren Sinne um „neue Wege“ die die Kirche gehen könnte.
»Kardinal Stephanus war sichtlich verärgert, als er die Zeitung aufschlug, schon wieder eine negative Berichterstattung über die katholische Kirche! Zahlreiche Zwischenfälle hatten in letzter Zeit dem Image geschadet, nicht zuletzt hatte der Bruder in Limburg dazu beigetragen. Stephanus griff zum Telefon…«
Das „Buch“ kann man als ePub herunterladen oder auch online lesen (→Link)

Montag, 15. April 2013

Hilfe im Dialogprozess

Ein großes und sehr wich­ti­ges An­lie­gen des um­strit­te­nen, kirch­li­chen Dia­log­pro­zes­ses ist ein „Dia­log auf Au­genhöhe“.
Die ers­ten Ge­spräche und de­ren Aus­wer­tung durch spe­zia­li­sier­te Fach­leu­te auf bei­den Sei­ten, ha­ben her­aus­ge­ar­bei­tet, daß durch ana­to­mi­sche In­di­vi­dua­litäten der ein­zel­nen Dia­log­part­ner, die durch­aus ernst ge­nom­men wer­den und nicht klein­ge­re­det oder ver­nachläßigt wer­den sol­len, ge­wis­sen Schwie­rig­kei­ten ent­ste­hen, die es zu über­win­den gilt.
Er­lauch­te Un­ter­neh­mens­be­ra­ter, an­er­kann­te Kar­tof­fel­gra­fik­s­pe­zia­lis­ten, geschätz­te Psy­cho­lo­gen und berühm­te So­zi­lo­gen, so­wie ein Stab aus fähi­gen Ent­wick­lern und bewähr­ten Kon­struk­teu­ren wur­den be­auf­tragt, Hilfs­mit­tel zu ent­wi­ckeln, die in Zu­kunft Pro­ble­me in die­sem Be­reich zu mi­ni­mie­ren hel­fen. Die vielfälti­gen Ein­ga­ben aus den ver­schie­de­nen Be­rei­chen, Grup­pen, Gre­mi­en und Verbänden führ­ten zu in­no­va­ti­ven Neu­ig­kei­ten:
Durch in­ves­ti­ga­ti­ven Ar­bei­ten ist es dem Be­trei­ber die­ses Blogs in­zwi­schen ge­lun­gen, in die letz­ten und – so wie es aus­sieht auch endgülti­gen – Ent­wurf­zeich­nun­gen Ein­blick zu neh­men. Die­se ent­stan­den am En­de der Fin­de­pha­se und wur­den von ei­nem re­no­mier­ten De­si­gner nach den ver­bind­li­chen Vor­ga­ben der hoch­karätig be­setz­ten Steue­rungs­grup­pe er­stellt.
Das Er­geb­nis kann sich durch­aus se­hen las­se: Es han­delt sich um ei­ne sty­li­sche Dia­log-Pro­zess­bril­le, mit der die Dia­log­part­ner wirk­lich auf Au­genhöhe spre­chen können.
Die schlich­te graue Bril­le im mo­der­nen Re­tro-De­sign ist mit vor­teil­haf­ten ro­sa Gläsern aus­ge­stat­tet.

Das er­in­nert gleich an den al­te Wer­bes­lo­gan: „Bril­le? – Leh­mann!“

Sonntag, 14. April 2013

FoKiKoKa

Im Rahmen des Dialogprozesses wurde von mehreren Stellen aus mehreren Quellen berichtet, daß es einige sprachliche Differenzen gab, die im Sinne eines offenen und gerechten Dialogs zu unakzeptablen Mißverständnissen führten, welche den Eindruck erweckten, als gäbe es schon auf sprachlicher Ebene Unterschiede zwischen den umstrittenen Vertretern der Kirchenleitung und dem gläubigen Volk.
Auf diese Problematik haben die Verantwortlichen auf höchster Ebene reagiert, und umgehend die Arbeitsgruppe „Kommunikationskultur- und Kommunikationsstrukturanalyse im kirchlichen Kontext des 21. Jh.“ (KoKokiKo2021) ins Leben gerufen. Diese Arbeitsgruppe legte nun den Formulierungshelfer für kirchliche Kommunikations Kanäle“ (FoKiKoKa) vor. Die Formulierungshilfe arbeitet auf einer dreigliedrigen Abstraktionsebene. Das Grundschema Nr. 1 stellt sich wie folgt da:

0: nachzonliare 0: Kommunikations-0: -problematik
1: experimentelle 1: Informations-1: -analyse
2: klerikale 2: Struktur-2: -politik
3: progressive 3: Programm-3: -strategie
4: aufgabengerechte 4: Personal-4: -manipulation
5: optimale 5: Gremien-5: -stagnation
6: pluralistische 6: Sach-6: -koordinierung
7: interpedendente 7: Zielgruppen-7: -planung
8: omnipotente 8: Rationalisierungs-8: -zwänge
9: gruppenspezifische 9: Entwicklungs-9: -orinetierung

In der Anwendung ist diese Schema einfach. Schon in der diskussionsvorbereitenden Phase können sich die Diskussionsteilnehmer die von ihnen besonders ins Auge gefaßten Themen leicht merken, indem sie sich eine dreistellige Zahl einprägen oder notieren. Wer z.B. über „gruppenspezifische Gremienanalyse“ sprechen möchte, merkt ich einfach die Zahl 951.
Aber auch ganze Diskussionsverläufe lassen sich so vorplanen oder auch während der Diskussion notieren. So ist jeder voll drin und dabei.
Ein ganzer Argumentationsstrang läßt sich so sehr einfach merken und kann dann in die Diskussion einfließen. So kann 001 → 621 + 972 einfach stehen für den Satz „Die nachkonziliare Kommunikationsproblematik erfordert pluralistische Strukturanalysen und gruppenspezifische Zielgruppenpolitik“. (Noch nie war Stenographie so einfach wie heute!)
Ziel dieses Schemas kann es für die Zukunft sein, daß die Diskussionsteilnehmer vermehrt nur noch per Zahlencodes kommunizieren. Auch Struturdiagramme, Ablaufpläne und vieles mehr lassen sich hervorragend mit Begriffen des „Grundschemas Nr. 1“ darstellen.

Aus der „Steuerungsgruppe für vertiefte Sachdiskussionen“ der Unterkommision Süd-Süd-West kam der Vorschlag für spezielle Themen ein ergänzendes Schema oder ein zweites Grundschema zu erarbeiten. Die Arbeitsgruppe KoKokiKo2021 nahm diesen Vorschlag dankend an und entwarf das Grundschema Nr. 2, das sich wie folgt darstellt:

0: konzentrierte 0: Führungs-0: -struktur
1: integrierte 1: Organisations-1: -flexibilität
2: permanente 2: Identifikations-2: -ebene
3: systematisierte 3: Kirchen-3: -tendenz
4: progressive 4: Koalitions-4: -programmierung
5: funktionelle 5: Modell-5: -konzeption
6: orientierte 6: Übergangs-6: -phase
7: synchrone 7: Wachstums-7: -potenz
8: qualifizierte 8: Aktions-8: -problematik
9: caritative 9: Interpretations-9: -kontingenz

Die Arbeitsgruppe KoKokiKo2021 rät dringend, daß sich die Teilnehmer durch 506 (gem. Grundschema Nr. 1) auf eines der beiden Schemata einigen, damit es nicht zu Kommunikationsproblemen kommt, die ja gerade durch die Einführung der ersten beiden Schemata ad experimentum vermieden werden sollen.

Unbestätigten Meldungen zufolge sind aufgrund der in drei Testgruppen mit phantastischem Erfolg durchgeführten Praxistests zwei Ergänzungsschemata in Arbeit. Ob, wie gerüchteweise zu vernehmen war, gar Umstrukturierung in ein 4-gliedriges System für dann 10.000 Zahlencodes geplant ist, liegt derzeit noch im Dunkeln.
Eins ist jedoch klar: Die nächste Runde des Dialogprozesses wird davon noch nicht beeinflußt sein, und die Teilnehmer können sich auf das dreigliedrige Schema verlassen. Die Erfahrungen aus dieser Dialogrunde werden aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in die weiteren Planungen einfließen.


(In Anlehung an einen Text im Buch:
Der Himmel und das Bodenpersonal)