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Freitag, 26. Juli 2013

Striche an der Partitur

(Aus: Kabinett physikalischer Raritäten, S. 3.
Original in: NPL News 236, 17(1969))

»Organisations- und Methodenforschung wird zur Verbesserung der Arbeitsleistung von Grup­pen verwendet. Das Folgende sind Auszüge aus einem Bericht einer Rationalisierungsfirma nach einem Besuch in der Royal Festival Hall.

Es gab beträchtliche Zeiträume, in denen die vier Oboisten nichts zu tun hatten. Ihre Anzahl sollte reduziert werden und ihre Arbeit gleichmäßig über das gesamte Konzert verteilt werden, so daß Spitzenbelastungen vermieden werden können.
Alle zwölf Ersten Geigen spielten identische Noten. Das erscheint ein unnötiger Aufwand. Die Besetzung in diesem Fach könnte drastisch reduziert werden. Sollte große Lautstärke erforderlich sein, so könnte sie mittels elektronischer Verstärker erreicht werden. Viel Mühe wurde ferner darauf verwendet, zweiunddreißigstel Noten zu spielen. Dies erscheint eine übertriebene Verfeinerung. Wir empfehlen, alle Noten auf die nächste sechzehntel Note aufzurunden. Sollte dies durchgeführt werden, so könnten Studenten und weniger hochqualifizierte Musiker in größerem Maße als bisher eingesetzt werden.
Es schien uns, daß manche musikalischen Passagen allzu oft wiederholt würden. Die Partitur könnte drastisch gestrafft werden. Es dient keinerlei nützlichem Zweck, wenn eine Passage von den Hörnern wiederholt wird, die bereits von den Geigen gespielt wurde. Nach unseren Schätzungen würde das Konzert nach Streichung aller überflüssigen Passagen statt zwei Stunden nur zwanzig Minuten dauern. Damit würde sich die Notwendigkeit für eine Pause erübrigen.
Der Dirigent stimmt im großen und ganzen mit den Empfehlungen überein, hat jedoch die Meinung geäußert, daß dadurch ein kleiner Rückgang im Kartenverkauf eintreten könnte. In jenem unwahrscheinlichen Fall sollten Teile des Auditoriums gesperrt werden, was beträchtliche Einsparungen an stehenden Kosten, wie Beleuchtung und Personal zur Folge hätte. Im äußersten Fall könnte die Royal Festival Hall geschlossen werden und das Publikum könnte statt dessen die Albert Hall besuchen.«