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Samstag, 9. Mai 2015

Die Sache mit dem Arbeitsrecht

Symbolbild
Seit letz­ten Diens­tag sind die neu­en, um­strit­te­nen Re­ge­lun­gen in Be­zug auf das kirch­li­che Ar­beits­recht öffent­lich zu­gäng­lich. Die Bi­schofs­kon­fe­renz hat ei­ne Pres­se­mel­dung her­aus­ge­ge­ben und so­wohl die »Grund­ord­nung des kirch­li­chen Diens­tes im Rah­men kirch­li­cher Ar­beits­ver­hält­nis­se« als auch die »Rah­men­ord­nung für die Kom­mis­si­on zur Ord­nung des diöze­sa­nen Ar­beits­ver­trags­rechts (Rah­men-KO­DA-Ord­nung)« sind on­li­ne als PDF verfügbar.
Da­mit die­se Re­ge­lun­gen, die nicht ein­stim­mig be­schlos­sen wur­den, Rechts­kraft er­hal­ten, müssen sie je­weils von den ein­zel­nen Bischöfen in Kraft ge­setzt wer­den. Dies ge­schieht durch Pro­mul­ga­ti­on im je­wei­li­gen Amts­blatt der Diöze­sen. Kein Bi­schof ist ge­zwun­gen dies zu tun, so daß es in Zu­kunft durch­aus in­ner­halb Deutsch­lands, je nach Diöze­se, Un­ter­schie­de im Ar­beits­recht ge­ben kann.
Wie auf der In­ter­netsei­te des Bis­tums Es­sen zu le­sen ist, wer­den die (Erz)Bis­tümer, die (auch) in NRW lie­gen, al­so Aa­chen, Köln, Müns­ter und Pa­der­born die neu­en Re­geln zum 1. Au­gust 2015 in Kraft set­zen.
Man­che se­hen die­se neu­en Maßga­ben po­si­tiv und als großen Wurf. Der BD­KJ z.B. sieht es aber nur als klei­nen Fort­schritt und wünscht sich wei­ter­ge­hen­de Än­de­run­gen.
Über die Neue­run­gen in Be­zug auf Ge­werk­schaf­ten, auf die ich hier gar nicht wei­ter ein­ge­hen will, hat sich Blog­ger­kol­le­ge Pe­ter Win­nemöl­ler le­sens­wer­te Ge­dan­ken ge­macht.
Erz­bi­schof Lud­wig sag­te laut Ra­dio Va­ti­kan, daß das Ar­beits­recht durch die­se Maßga­ben nicht li­be­ra­ler, son­dern for­dern­der ge­wor­den sei:
»Nicht li­be­ra­ler sei es ge­wor­den, son­dern „for­dern­der“, sagt der Bam­ber­ger Bi­schof Lud­wig Schick. „Bei der Ein­stel­lung ei­nes Mit­ar­bei­ters soll ge­nau dar­auf ge­schaut wer­den, wer ein­ge­stellt wird. Und auch bei mög­li­chen Ent­las­sun­gen und Ver­set­zun­gen soll ge­nau hin­ge­schaut wer­den, wie man da­mit um­geht.“«
Die »Neue Westfäli­sche« sprach mit dem Pres­se­spre­cher des Erz­bis­tums Pa­der­born, der ne­ben der Dis­kus­si­on um die Fra­ge der Wei­ter­be­schäf­ti­gung oder Ent­las­sung bei Loya­litäts­verstößen die Fra­ge der Ein­stel­lung in den Blick nahm, und si­cher ei­ni­ge Hoff­nun­gen auf Ein­stel­lung weck­te. In Be­zug auf Be­wer­bun­gen er­mu­tig­te er:
»Auch Be­wer­ber in kirch­li­chen Ein­rich­tun­gen, die ge­schie­den und wie­der­ver­hei­ra­tet sei­en, hät­ten jetzt ei­ne ech­te Chan­ce auf ei­ne An­stel­lung.«
Und den Fall ei­ner be­reits 2013 ent­las­se­nen Kin­der­gärt­ne­rin in den Blick neh­mend, sag­te er:
»Mit der neu­en Rechts­la­ge könn­te sich für die Be­trof­fe­ne in ei­ner kirch­li­chen Ein­rich­tung wie­der ei­ne Tür öff­nen, sag­te En­gel.«
Es ist al­so dem­nach durch­aus mög­lich, daß – na­tür­lich, gemäß dem Pa­pier, nur im Ein­zel­fall und nach Abwägung al­ler Umstände etc. – jetzt auch Leu­te ein­ge­stellt wer­den, die schon bei Ein­stel­lun­gen nicht die Vor­aus­set­zun­gen mit­brin­gen, die Loya­litätsob­li­gen­hei­ten zu erfüllen.
Da fragt man sich doch, ob man nicht gleich das gan­ze Ge­setz ab­schaf­fen soll. Mit den vom Pres­se­spre­cher ge­zeich­ne­ten Vor­ge­hens­wei­sen gleicht das Ge­setz ei­ner Mo­gel­pa­ckung. Für die Glaub­wür­dig­keit der Kir­che ist das eher ab­träg­lich.
Das oft so hoch ge­lob­te „ka­tho­li­sche Pro­fil“ gibt es wohl nur noch in den Phan­tasi­en je­ner, die da­von spre­chen. Die Rea­lität sieht in­zwi­schen an­ders aus. Ei­ne „kla­re Kan­te“ gibt es kaum noch. Wo »ka­tho­lisch« drauf steht, ist sel­ten ka­tho­lisch drin und das neue Ar­beits­recht ist nicht ge­eig­net, dar­an was zu än­dern.