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Freitag, 20. Mai 2016

Zwischen Sonntagspflicht und Ökumene

Symbolbild
Das ka­tho­li­sche Kir­chen­recht be­schäf­tigt sich im zwei­ten Ti­tel des vier­ten Bu­ches mit »Hei­li­gen Zei­ten«. Dort geht es im ers­ten Ka­pi­tel um »Fei­er­ta­ge« (Ca­no­nes 1246–1248).
In glei­cher Wei­se wie die Sonn­ta­ge sind die dort ge­nann­ten, ge­bo­te­nen Fei­er­ta­ge zu hal­ten. Um den ver­schie­de­nen Ge­bräu­chen und Tra­di­tio­nen in ein­zel­nen Län­dern Rech­nung zu tra­gen, kön­nen die Bi­schofs­kon­fe­ren­zen ein­zel­ne Fei­er­ta­ge auf­he­ben oder auf einen Sonn­tag ver­le­gen (c. 1426 §2).
An die­sen ge­bo­te­nen Fei­er­ta­gen gilt die Sonn­tags­pflicht. Das be­deu­tet, daß die Gläu­bi­gen an der Teil­nah­me an der Meß­fei­er ver­pflich­tet sind.
»Can. 1248 — § 1. Dem Ge­bot zur Teil­nah­me an der Meß­fei­er ge­nügt, wer an ei­ner Mes­se teil­nimmt, wo im­mer sie in ka­tho­li­schem Ri­tus am Fei­er­tag selbst oder am Vor­abend ge­fei­ert wird.«
Die Deut­sche Bi­schofs­kon­fe­renz ist der Mög­lich­keit, ein­zel­ne Fei­er­ta­ge auf­zu­he­ben oder zu ver­le­gen in der Par­ti­ku­lar­norm Nr. 15 nach­ge­kom­men. In die­ser Norm wer­den zu­dem die „zwei­ten Fei­er­ta­ge“, al­so der zwei­te Weih­nachts­tag, Os­ter­mon­tag und Pfingst­mon­tag, als »kirch­lich ge­bo­te­ne Fei­er­ta­ge« fest­ge­legt. Die­se Fest­le­gung be­deu­tet, daß für Ka­tho­li­ken an den Ta­gen die Sonn­tags­pflicht be­steht. Ge­ra­de der Pfingst­mon­tag ist al­ler­dings, wie ei­ne kur­ze In­ter­net­su­che zeigt, in­zwi­schen zu ei­nem be­lieb­ten Tag für öku­me­ni­sche Got­tes­diens­te ge­wor­den. Auch an­de­re, be­son­de­re Got­tes­dienst­for­men wer­den am Pfingst­mon­tag ge­pflegt.
Im Pas­to­ral­ver­bund Bal­ve-Hön­ne­tal wird seit ei­ni­gen Jah­re ei­ne um­strit­te­ne Stern­wall­fahrt am Pfingst­mon­tag durch­ge­führt. Die Idee da­bei ist, daß sich die Gläu­bi­gen aus den ver­schie­de­nen Ge­mein­den (stern­för­mig) auf den Weg ma­che, um sich dann an ei­nem zen­tra­len Ort zu tref­fen, um dort ge­mein­sam die hei­li­gen Mes­se zu fei­ern. Al­le an­de­ren Mes­sen im Pas­to­ral­ver­bund fal­len aus. Der zen­tra­le Ort ist ir­gend­wo ei­ne freie Flä­che im Pas­to­ral­ver­bund. Nie­mals ist es ei­ne Kir­che. Mal ist es ei­ne In­dus­trie­hal­le, mal ein Reit­platz oder ähn­li­ches. Der Ge­dan­ke, sich ge­mein­sam auf den Weg zu ma­chen, ist in der Theo­rie nicht schlecht. Die Pra­xis sieht al­ler­dings an­ders aus. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wa­ren es bis zu 1000 Gläu­bi­ge, die die­sem Auf­ruf folg­ten; im letz­ten Jahr, als gleich­zei­tig ei­ne (Nach)Pri­miz ge­fei­ert wur­de, wa­ren es rund 800.
In die­sem Jahr hat­ten die Ver­ant­wort­li­chen sich was Neu­es über­legt. Der zen­tra­le Ort lag dies­mal nicht im Pas­to­ral­ver­bund, son­dern im rund 30km ent­fern­ten Ne­heim. Die­ser Ort ist der Ge­burts­ort von Franz Stock, des­sen Wan­deraus­stel­lung schon in der Bal­ver Kir­che zu se­hen war. Die Gläu­bi­gen soll­ten sich al­so auf die Spu­ren von Franz Stock be­ge­ben, des­sen Se­lig­spre­chungs­ver­fah­ren mit of­fe­nem En­de vor rund zwei Jah­ren in Rom er­öff­net wur­de.
Die Wall­fahrt wur­de ein großer Flop. „Der Wes­ten“ ti­telt »Wall­fahrt lockt nur we­ni­ge Bal­ver nach Ne­heim«, wo­bei das Wort „we­ni­ge“, wenn man es in Zah­len aus­drückt, in die­sem Fall »we­ni­ger als 100« be­deu­tet. Der Pas­to­ral­ver­bund hat rund 10.000 Ka­tho­li­ken, so daß we­ni­ger als 1% dem Ruf nach Ne­heim folg­ten. Als hät­te die Ver­ant­wort­li­chen schon so et­was ver­mu­tet, fie­len in die­sem Jahr nicht al­le Mes­sen aus, son­dern es gab ne­ben der Mes­se in Ne­heim im­mer­hin noch ei­ne ein­zi­ge Sonn­tags­abend­mes­se im Pas­to­ral­ver­bund.
Aus die­sem De­sas­ter könn­te man ler­nen, daß das Kon­zept der Stern­wall­fahrt viel­leicht doch nicht so gut ist. Könn­te man – Muß man aber nicht. Die Ver­ant­wort­li­chen ha­ben noch in Ass im Är­mel und sich für nächs­tes Jahr et­was be­son­de­res über­legt. »Chris­ten wol­len Pfings­ten 2017 ih­re Ge­mein­sam­kei­ten fei­ern«, ti­telt schon heu­te die Zei­tung. Es soll einen öku­me­ni­schen Got­tes­dienst ge­ben, der bei der Fir­ma „Bal­ver Zinn“ ab­ge­hal­ten wird. Pas­tor Bi­schoff hat sich of­fen­bar schon um­ge­hört, denn er kann der Zei­tung schon jetzt sa­gen: »Was wir bis­her ge­hört ha­ben, kommt die Idee ei­nes öku­me­ni­schen Got­tes­diens­tes im nächs­ten Jahr sehr gut an.« Auch der evan­ge­li­sche Re­li­gi­ons­die­ner ist von der Idee an­ge­tan. Im­mer­hin fei­ern die evan­ge­li­schen Chri­sten ja im kom­men­den Jahr 500 Jah­re Kir­chen­spal­tung. Wie­so er bei der Fei­er­ge­le­gen­heit auf die Idee kommt, daß man »ein star­kes Zei­chen der Ge­mein­sam­keit set­zen« könn­te, ist lo­gisch nicht klar.
Es reicht den Ver­ant­wor­li­chen auch nicht, daß die Gläu­bi­gen aus dem ei­ge­nen Pas­to­ral­ver­bund zu dem Got­tes­dienst kom­men, son­dern auch Chris­ten aus Neu­en­ra­de (Bis­tum Es­sen) sind ein­ge­la­den.
Bleibt zu hof­fen, daß die Ver­ant­wort­li­chen nicht ver­ges­sen, den ka­tho­li­schen Gläu­bi­gen mit­zu­tei­len, daß sie mit Teil­nah­me an der öku­me­ni­schen Ver­an­stal­tung ih­re Sonn­tag­pflicht nicht er­fül­len. Die Deut­sche Bi­schofs­kon­fe­renz hat 1994 ei­ne bis heu­te gül­ti­ge »Er­klä­rung be­züg­lich öku­me­ni­scher Got­tes­diens­te« her­aus­ge­ge­ben, in der es heißt:
»5. Da die sonn­täg­li­che Eu­cha­ris­tie­fei­er für das christ­li­che Le­ben und den Auf­bau der christ­li­chen Ge­mein­de einen un­ver­zicht­ba­ren Wert hat, kön­nen öku­me­ni­sche Got­tes­diens­te sie nicht er­set­zen. Die­se ha­ben des­halb stets einen Aus­nah­me­cha­rak­ter. Öku­me­ni­sche Got­tes­diens­te dür­fen nicht da­hin füh­ren, dass in ei­ner Ge­mein­de an ei­nem Sonn­tag kei­ne Hei­li­ge Mes­se ge­fei­ert wer­den kann. Die ka­tho­li­schen Chris­ten dür­fen durch die Teil­nah­me an ei­nem öku­me­ni­schen Got­tes­dienst nicht in einen Kon­flikt mit dem Sonn­tags­ge­bot ge­bracht wer­den.«
Noch ist ein Jahr Zeit, sich dort im Pas­to­ral­ver­bund ver­nünf­ti­gen Lö­sun­gen zu über­le­gen.

Samstag, 27. September 2014

Morgens in Rom

Es ist 20 Mi­nu­ten vor Mess­be­ginn, ich er­gat­ter noch einen Sitz­platz in der letz­ten Rei­he. Bis die Mes­se be­ginnt ha­ben sich auch al­le Steh­plä­tze ge­fül­lt. Die Men­schen ste­hen Mann an Mann. Es ist nur ein Ge­rücht: Heu­te mor­gen soll hier der Papst die Mes­se fei­ern. Of­fi­zi­ell ist da­von nir­gends et­was zu hö­ren.
Ei­ne Glo­cke schlägt an. Es öff­net sich ei­ne Tür an der Sei­te und tat­säch­lich kommt der Papst dort her­aus. Er geht zu ei­nem Stuhl im Chor­raum und setzt sich. Hin­ter ihm zieht ei­ne Ein­zugs­pro­zes­si­on fei­er­lich in die Kir­che ein. Je zwei Mi­nis­tran­ten mit Weih­rauch und Ker­zen, so­wie vier wei­te­re. Dann fol­gen – oh Schreck – zwei Frau­en in weißen Al­ben mit ei­nem bun­ten Schul­ter­tuch.
Der Papst er­öff­net die Mes­se mit dem Kreuz­zei­chen und spricht auch al­le Ge­be­te. Der Le­sungs- und Evan­ge­li­en­text wird je­weils von ei­ner der Da­men ge­le­sen. In sei­ner kur­z­en Pre­digt spricht er über das Mit­ein­an­der von Ge­weih­ten und Un­ge­weih­ten, von Män­nern und Frau­en. Er spricht von drei Schrit­ten, Al­le sol­len sich ge­gen­sei­tig ei­ne Hil­fe sein. Al­le sol­le für Al­le da sein bis an die Rän­der der Ge­mein­de sol­len al­le Brü­der und Schwes­tern sein, die sich in ge­schwis­ter­li­cher Lie­be hel­fen. Es sol­le kei­ne Un­ter­schie­de mehr ge­ben. Al­le sol­len eins sein.
Zur Ga­ben­be­rei­tung ste­hen nur die bei­den Frau­en am Al­tar. Der Papst liest die Ge­be­te, das Hoch­ge­bet, die Ein­set­zungs­wor­te. Die Ges­ten, Ge­bär­den und Ze­re­mo­ni­en voll­zie­hen stumm die bei­den Da­men wie ei­ne skur­ri­le Pan­to­mi­me. Ich kann mich nicht mehr be­we­gen, bin stock­steif vor Er­schre­cken.
Zu Kom­mu­nio­naus­tei­lung ei­len zwei Pries­ter den Frau­en zur Hil­fe. Ich sit­ze da und schaue wie in Tran­ce auf das Trei­ben in der Kir­che. – Schlußsse­gen, ge­spro­chen vom Papst mit Ges­ten der Frau­en und Aus­zug. Ich bin schweißge­ba­det, will raus. Ei­ne Glo­cke er­tönt, sie klingt laut in mei­nen Oh­ren. Ich will nur noch raus. Schla­ge um mich. Es schrillt mir in den Oh­ren wie ein Alarm­zei­chen.
Ich schla­ge wei­ter um mich und er­wi­sche den Aus­schal­ter des Weckers. 6:55 Uhr. Zeit auf­zu­ste­hen. Ra­dio ein­schal­ten: „Hier ist die Mor­ge­n­an­dacht, heu­te mit…“